Fotografie

Die Geheimnisse schöner Hotelfotografie

Fotografin Emma Lavelle über natürliches Licht, die richtigen Details – und was Räume auf Bildern lebendig macht

Red-haired woman with eyes closed in a dry grass field, a single reed tucked in her hair.

Emma Lavelle

Fotografin und Autorin

22. Apr. 20267 min

Die Geheimnisse schöner Hotelfotografie
Die Geheimnisse schöner Hotelfotografie

Artikel auf einen Blick

  • Natürliches Licht ist alles – schalte künstliche Beleuchtung aus, öffne die Vorhänge weit und achte darauf, wie sich die Sonne im Laufe des Tages bewegt.

  • Fotografiere, bevor du auspackst, kombiniere Weitwinkelaufnahmen mit Nahdetails und setze lieber feine Akzente, statt zu viel zu inszenieren.

  • Ausrüstung ist weniger entscheidend als dein Blick – nutze die Rasterlinien deines Smartphones, spiele mit Perspektiven und probiere unterschiedliche Zoomstufen aus.

Ich fotografiere Hotels beruflich – und bin überzeugt, dass die Wahl deiner Unterkunft ein zentraler Teil jeder Reise ist. Ich gehöre nicht zu den Menschen, denen es egal ist, wo sie schlafen, weil sie ohnehin den ganzen Tag unterwegs sind. Meine Umgebung beeinflusst meine Stimmung stark. Ich reise lieber in einem langsameren Tempo, verbringe Zeit in meinem Hotelzimmer und genieße die Annehmlichkeiten des Hauses. Oft wähle ich meine Reiseziele danach aus, in welchen Hotels ich schon lange einmal übernachten wollte. Und selbst wenn ich nicht arbeite, halte ich jeden Aufenthalt fest – für mein Portfolio und um die Erinnerungen daran zu bewahren.

Meist bin ich mit einer schweren Kameraausrüstung unterwegs, die das Handgepäck schnell an seine Grenzen bringt. Doch schöne Hotelfotos gelingen auch mit dem Smartphone oder einer kleinen Kompaktkamera. Gute Fotografie hängt weniger von teurer Technik ab als von deinem Blick und deinem Verständnis für Licht.

Du möchtest deine Fotokenntnisse vor deiner nächsten Reise auffrischen? Hier sind meine Tipps für Einsteiger:innen.

Foto: Emma Lavelle

Natürliches Licht verstehen

Wenn du nur einen Tipp mitnimmst, dann diesen: Schalte künstliches Licht aus, öffne die Vorhänge und arbeite mit Tageslicht. Deckenleuchten werfen harte Schatten und tauchen Räume in einen gelblichen Ton – keine gute Grundlage für stimmige Bilder. Schalte das Licht ein und beobachte, wie sich die Farben verändern und die Schatten dominanter werden. Dann schalte es wieder aus und sieh, wie viel weicher und natürlicher der Raum wirkt – noch bevor du durch die Linse schaust.

Sobald ich ein Hotelzimmer betrete, schaue ich mir an, wie es zur Sonne ausgerichtet ist und wie sich das Licht im Tagesverlauf bewegt. Dafür gibt es Apps, oder du nutzt einfach den Kompass auf deinem Smartphone. Weiß ich, dass morgens direktes Sonnenlicht ins Zimmer fällt, stelle ich mir den Wecker kurz vor Sonnenaufgang. Das warme Leuchten, das dann langsam über die Wände wandert, ist besonders schön. Diese Phase nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang nennt man die Goldene Stunde – sie schenkt dir das schmeichelhafteste Licht.

Foto: Emma Lavelle

Auch mit dem härteren, direkten Sonnenlicht, das ein Hotelzimmer zur Mittagszeit abbekommen kann, spiele ich gern – allerdings auf kreativere Weise. Fotografiere zum Beispiel die Schatten, die die Fensterrahmen an die Wand werfen, oder halte fest, wie ein Lichtstrahl ein bestimmtes Detail im Raum betont.

Foto: Emma Lavelle

Fotografiere, bevor du auspackst

Nach der Ankunft stelle ich mein Gepäck meist an der Tür ab und hole sofort meine Kamera heraus, um das Zimmer zu fotografieren, bevor sich meine persönlichen Sachen darin verteilen. Lose Zettel oder unschöne Dinge wie Kabelsalat entferne ich aus dem Bild (auch gefaltete Handtücher, die auf dem Bett liegen, räume ich immer weg) und mache meine Aufnahmen. Sobald ich diese ersten Fotos mit frisch gemachtem Bett und ohne Unordnung im Kasten habe, kann ich entspannen. Ich bin von Natur aus ordentlich und mag kein Durcheinander, deshalb verstaue ich meine Koffer und hänge die Kleidung auf – so bleibt das Zimmer während meines Aufenthalts größtenteils aufgeräumt. Beim weiteren Fotografieren füge ich ein paar subtile Details hinzu, damit der Raum bewohnt wirkt.

Fotos: Emma Lavelle

Details festhalten, die Geschichten erzählen

Ich persönlich mag Aufnahmen von einem zerknitterten Bett lieber als perfekt glattgezogene Laken. Es entsteht der Eindruck, dass man gerade erst nach einer erholsamen Nacht aufgestanden ist. Vielleicht stelle ich ein paar schön verpackte Pflegeprodukte auf den Schminktisch oder ins Bad, richte das Frühstück auf dem Balkon an oder rücke die ästhetischsten Gegenstände im Zimmer ins Bild. Zu viel Styling – etwa in jedem Foto ein aufgeschlagenes Buch oder eine Fülle an Wohnaccessoires – wirkt schnell bemüht und etwas kitschig. Kleine Details und eine leicht „unfertige“ Stimmung hingegen verleihen der Erzählung eine zusätzliche Ebene. Viele meiner Kund:innen bitten mich zum Beispiel, Hotelzimmer aus der Perspektive eines Gastes zu fotografieren – so wirken die Bilder nahbarer.

Fotos: Emma Lavelle

Ich achte darauf, bei Hotelfotografien eine echte Mischung festzuhalten. In einem Schlafzimmer oder einer Suite fotografiere ich zunächst den Raum als Ganzes und ergänze ihn um Nahaufnahmen von Details, die mir ins Auge fallen – etwa eine besondere Lampe oder strukturierte Bettwäsche. Gleichzeitig beobachte ich, wie sich das Licht im Raum bewegt, und suche nach ungewöhnlichen Kompositionen. Mich interessieren vor allem die ruhigen, erzählerischen Momente, die einen Aufenthalt besonders machen – das Aufwachen in genau diesem Bett, das Leben in den Außenbereichen oder die menschlichen Geschichten dahinter. Und denk daran: Ein Hotel ist mehr als nur dein Zimmer. Halte auch fest, was dir in den Gemeinschaftsbereichen auffällt – an der Rezeption, in Lounges, Bars, Restaurants, am Pool oder im Garten.

Foto: Emma Lavelle

Zeige Momente, nicht nur Räume

Das führt mich zu meinem nächsten Tipp: Bringe Bewegung oder Menschen ins Bild, um deinen Fotos Leben zu verleihen. Du musst nicht mit einem professionellen Model reisen oder genau wissen, wie man für die Kamera posiert. Konzentriere dich einfach auf natürliche, entspannte Momente, die nicht gestellt wirken. Wenn du oder deine Begleitung euch nicht mit dem Gesicht zeigen möchtet, kannst du auch nur Hände fotografieren – etwa beim Halten der Zimmerkarte, beim Glattstreichen der Bettwäsche oder beim Aufheben einer Tasse Kaffee. Oder ihr dreht der Kamera den Rücken zu: beim Blick aus dem Fenster, auf einer Liege am Pool oder beim Spaziergang durch die Hotelgärten.

Foto: Emma Lavelle

Foto: Emma Lavelle

In den Gemeinschaftsbereichen des Hotels kannst du auch ganz dezent das Personal bei der Arbeit fotografieren: etwa beim Eindecken der Tische im Hintergrund einer Restaurantaufnahme, als Nahaufnahme ihrer Hände beim Servieren des Frühstücks oder in einer Einstellung, bei der der Raum scharf ist und sie unscharf durchs Bild gehen – vielleicht mit einem Tablett voller Getränke auf dem Weg zu einem Tisch. Frag vorher immer um Erlaubnis.

Foto: Emma Lavelle

Achte auf Perspektive und Bildaufbau

Je mehr du fotografierst, desto mehr entwickelst du ein Gefühl für Perspektive und Komposition – und desto eher spielst du bewusst damit. Wenn du gerade erst anfängst, aktiviere die Rasterlinien auf deinem Smartphone oder deiner Kamera. Sie helfen dir dabei, deine Bildaufteilung auszurichten und gerade Linien sauber zu halten. Mit der Drittelregel kannst du ausgewogene Bilder gestalten, indem du wichtige Elemente entlang der Rasterlinien oder an deren Schnittpunkten platzierst.

Wenn du mit dem Smartphone fotografierst, experimentiere mit dem Zoom. Die Standardeinstellung beim iPhone entspricht etwa 24 mm – das kann Räume leicht verzerren. Ich zoome deshalb meist auf 1,5 (35 mm) oder 2 (48 mm) und trete bei Bedarf ein paar Schritte zurück.

Fotos: Emma Lavelle

Ich beginne gern mit ein paar schlichten, frontal aufgenommenen Bildern, bevor ich kreativer werde. Achte darauf, deinen Aufnahmen mehr Tiefe zu geben, indem du den Vordergrund bewusst einbeziehst – etwa Palmenblätter vor einer Hotelfassade oder den feinen, halbtransparenten Stoff von Vorhängen, der ein schönes Waschbecken einrahmt. Ich fotografiere auch gern durch eine Türöffnung, um den Kontrast zwischen dem Raum, in dem ich stehe, und dem im Fokus zu betonen. Ein weiterer einfacher Trick ist, mit Negativraum zu arbeiten, um den Blick gezielt auf dein Motiv zu lenken.

Fotos dezent bearbeiten

Du musst kein Lightroom-Profi sein, um deine Fotos zu optimieren. Schon ein paar einfache Anpassungen – in der Lightroom-App oder in einer der vielen anderen Apps – können ein Bild deutlich verbessern. Lerne, Helligkeit, Kontrast und Wärme behutsam zu justieren, und richte bei Bedarf die Linien aus. Ein leichter Filter kann gut funktionieren, aber bleib über alle Bilder hinweg bei demselben Look und vermeide starke Effekte, die Farben verfälschen oder schnell aus der Mode kommen. In Apps wie VSCO kannst du außerdem die Intensität eines Filters regulieren – setze ihn sparsam ein, damit das Ergebnis natürlich wirkt.

Foto: Emma Lavelle

Letztlich geht es bei der Hotelfotografie weniger um die Kamera, die du verwendest, als um das Licht und darum, wie du die Szene vor dir wahrnimmst. Wenn du ästhetische Hotelfotos aufnehmen möchtest, auf die du stolz bist und die du später ausdrucken oder in einem Fotobuch deiner Reise festhalten willst, nimm dir Zeit. Verlangsame den Prozess, achte auf die Details, die einem Raum seine besondere Wirkung verleihen, und halte deine Erinnerungen bewusst fest. Fotografiere nicht nur, wo du übernachtet hast, sondern versuche auch einzufangen, wie es war, dort zu sein.

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