Reisen
21 Fotos: Kapstadt jenseits der Stadt
Tafelberg, Pinguine am Boulders Beach und eine Farm in Franschhoek: Darum ist Kapstadt ein Paradies für Naturliebhaber:innen
Emma Lavelle
Fotografin und Autorin
7. Juli 2026∙7 min


Reisen
Tafelberg, Pinguine am Boulders Beach und eine Farm in Franschhoek: Darum ist Kapstadt ein Paradies für Naturliebhaber:innen
Emma Lavelle
Fotografin und Autorin
7. Juli 2026∙7 min


Ich bin kein Stadtmensch. Viel wohler fühle ich mich zwischen sanften Landschaften, imposanten Bergen und zerklüfteten Küsten als in einer Großstadt. Deshalb waren meine Freund:innen ziemlich überrascht, als ich erzählte, dass ich für etwas mehr als eine Woche zwölf Stunden über den Äquator fliegen würde, um Kapstadt zu erkunden. Als ich ihnen dann Fotos von dramatischen Bergkulissen, endlosen Stränden sowie Hotels auf Farmen und Weingütern schickte, verstanden sie sofort, warum: Hier beginnt die Natur direkt vor der Haustür.
Über den Wolken auf dem Tafelberg. Foto: Emma Lavelle
Ein Klippschliefer auf den Felsen. Foto: Emma Lavelle
Oben auf dem Tafelberg zu stehen und einen Pavian am Straßenrand entlanglaufen zu sehen – meine kurze Zeit an diesem wunderbar wilden Ort stand ganz im Zeichen seiner Landschaften, Flora und Fauna. Selbst die Orte, an denen ich essen ging, waren eng mit der Natur verbunden: vom Afternoon Tea in einem Garten voller Hibiskus bis zum Drei-Gänge-Menü auf einer bewirtschafteten Farm, bei dem frisch gepflückte Guaven serviert wurden. Neun Tage reichten längst nicht aus, um das Westkap wirklich kennenzulernen. Doch als erster Eindruck eines Landes, das für seine eindrucksvollen Landschaften und seine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt bekannt ist, hätten diese neun Tage kaum besser sein können.
Der Tafelberg. Foto: Emma Lavelle
Der Besuch des Tafelbergs war einer der Höhepunkte meiner Zeit in Kapstadt. Er prägt das Stadtbild wie kaum ein anderer Ort, erhebt sich hinter der Skyline und ist fast überall zu sehen. Neben seinem markanten Plateau ragen auch Lion’s Head und Signal Hill in den Himmel – kleiner, aber nicht weniger beeindruckend. Schon auf der Fahrt vom Flughafen füllten alle drei Berge die Windschutzscheibe. Eines Morgens machte ich mich früh auf den Weg, um dem Andrang an der Seilbahn zuvorzukommen und ein möglichst wolkenfreies Zeitfenster zu erwischen. Wer möchte, kann auch zu Fuß hinaufwandern. Der Aufstieg ist allerdings anspruchsvoll.

Die Cape Winelands. Fotos: Emma Lavelle


Oben verbrachte ich mehrere Stunden damit, über den felsigen Untergrund zu streifen und den Ausblick in alle Richtungen zu genießen: auf die Stadt, den Hafen, die Küste mit ihren gewundenen Straßen und türkisfarbenen Gezeitenpools sowie auf die sanften Gipfel der Cape Winelands und der Kap-Halbinsel in der Ferne. Mit meinem Tamron-Objektiv mit 18–300 mm Brennweite fing ich die Landschaft unter mir durch die vorbeiziehenden Wolken ein. Dabei hielt ich auch Ausschau nach Klippschliefern – kleinen Säugetieren, die Nagetieren ähneln, tatsächlich aber den Elefanten näher verwandt sind. Erst als ich meinen Freund bat, ein Foto von mir zu machen, entdeckten wir einen, der direkt hinter mir stand. Offenbar war er bereit, für meine Kamera zu posieren.
Ein Hagedasch im Mount Nelson. Foto: Emma Lavelle
Afternoon Tea im Mount Nelson. Foto: Emma Lavelle
Ein weiteres unvergessliches Erlebnis war der Afternoon Tea im Mount Nelson, einem Belmond Hotel und einer echten Kapstädter Institution. Ein:e Tee-Sommelier:ière stellte die große Auswahl vor und half bei der Entscheidung. Ich wählte Buchu, einen heimischen Kräutertee, dem natürliche antiseptische Eigenschaften zugeschrieben werden. Anschließend wurden vier Gänge serviert, gekrönt von einem Kuchenbuffet, das ich leider nicht mehr probieren konnte, weil ich schon zu satt war. Stattdessen schlenderte ich mit meiner Kamera durch die Gärten, bewunderte die riesigen Hibiskusblüten und die letzten Dahlien der Saison. Zu meiner Freude pickten auch einige Hagedasche auf dem Rasen. Sie hielten jedoch stets genügend Abstand – da bewährte sich mein Teleobjektiv einmal mehr.
Blick von der Sterrekopje Farm. Foto: Emma Lavelle

Sterrekopje Farm. Fotos: Emma Lavelle




Ebenso zauberhaft war die Sterrekopje Farm am Rand von Franschhoek. Ich verbrachte dort drei Nächte und begann und beendete jeden Tag mit einem Spaziergang durch die Gärten im warmen Licht der goldenen Stunde, die Kamera stets in der Hand. Schweine, Enten und Hühner liefen frei zwischen einer beeindruckenden Vielfalt an Obst, Gemüse, Kräutern und Blumen umher. Okra und Bananen wuchsen neben farbenfrohen Zinnien und dichten Cosmeen. Jeden Morgen zogen die Teams aus Küche und Spa mit geflochtenen Körben über das Gelände, um Zutaten für das Abendessen und Kräuter für die Anwendungen zu sammeln. Mein Blick wanderte dabei von Nahaufnahmen der Ernte zu sonnenbeschienenen Ausblicken auf die umliegenden Berge.
Von Sterrekopje aus war es nur eine kurze Fahrt bis zu einem Weingut auf der anderen Seite von Franschhoek. Dort schlug das Wetter um, und herbstliche Stürme zwangen mich und meine Kamera immer wieder nach drinnen, aufs Sofa am Kamin. Sobald der Regen nachließ, zog ich wieder los, um die nebelverhangenen Berge und die sich gelb färbenden Weinreben zu fotografieren. An einem Nachmittag spazierte ich durch die Weinberge zum Verkostungsraum, probierte drei Weine des Guts und schlenderte anschließend durch den Skulpturengarten.
Bo-Kaap. Foto: Emma Lavelle
Bo-Kaap. Foto: Emma Lavelle
Zum Abschluss kehrte ich für zwei Nächte nach Kapstadt zurück und übernachtete in einem Hotel mit Blick auf Bo-Kaap, ein Viertel mit bunten Häusern und bewegter Geschichte. Einst lebten hier versklavte Menschen, die aus Asien ans Kap verschleppt worden waren. Während der Apartheid wurde das Viertel als Wohngebiet für Schwarze und kapmalaiische Bevölkerungsgruppen ausgewiesen. Nach dem Ende der Apartheid strichen viele Bewohner:innen ihre Häuser in leuchtenden Farben – ein Ausdruck ihrer neu gewonnenen Freiheit. Heute ist Bo-Kaap ein lebendiges, multikulturelles Viertel. Von der Dachterrasse aus fotografierte ich die farbenfrohen Häuser von oben und entging so den Menschenmengen. Danach richtete ich mein Objektiv wieder auf den Tafelberg – und wurde einmal mehr daran erinnert, dass sich das Wetter nicht planen lässt. Sein Gipfel blieb hartnäckig unter dunklen Wolken verborgen.
An meinem letzten Tag wollte ich noch einmal raus aus der Stadt und engagierte eine:n Fahrer:in für eine Tour über die Kap-Halbinsel durch den Table Mountain National Park. Dieser Ausflug wurde zu einem der Höhepunkte der Reise: spektakuläre Ausblicke, eine Begegnung mit dem „Seehundflüsterer“, der die Kap-Pelzrobben mit ihren Namen aus dem Hafen lockte, die besten Fish and Chips, die ich je gegessen habe, serviert in einem traditionsreichen Imbiss direkt am Meer, und ein Pavian, der am Straßenrand entlanglief.
Pinguinkolonie am Boulders Beach. Foto: Emma Lavelle

Boulders Beach. Fotos: Emma Lavelle


Der wohl eindrucksvollste Moment meiner gesamten Zeit in Kapstadt war der Besuch eines Ortes, der schon lange auf meiner Wunschliste stand: Boulders Beach, einer der wenigen Orte in Afrika, an denen man einer Pinguinkolonie ganz nahekommen kann. Zunächst staunte ich über das kristallklare Wasser des Indischen Ozeans, bevor ich zwischen und unter riesigen Granitfelsen nach den Pinguinen suchte. Die ersten entdeckte ich im Gebüsch neben dem Weg, wo sie durch den Sand watschelten oder dösten. Von der offiziellen Aussichtsplattform kam ich ihnen viel näher, als ich erwartet hatte. Ich kniete auf den Holzplanken und fotografierte die unglaublich niedlichen Tiere am Strand und im Wasser – darunter auch zwei junge Pinguine im Federwechsel. Es war ein Erlebnis, das man vermutlich nur einmal im Leben hat.
Dann hieß es Abschied nehmen. Im Flugzeug scrollte ich durch Tausende von Fotos, die ich gemacht hatte, dachte wehmütig an das gerade zu Ende gegangene Abenteuer zurück und stellte mir zugleich all die Landschaften, Tiere und Naturerlebnisse vor, die bei einem nächsten Besuch auf mich warten würden.

Mathias Fernandes
Reise- und Abenteuerfotograf
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Ro Elfberg
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