Reisen
Die besten Städtereisen für Fotografie-Fans
New York, Paris, Amsterdam und mehr: ein Guide zu Galerien, Institutionen und Geheimtipps, die eine Reise wert sind
Laura Havlin
Fotografie-Autorin
16. Juni 2026∙6 min


Reisen
New York, Paris, Amsterdam und mehr: ein Guide zu Galerien, Institutionen und Geheimtipps, die eine Reise wert sind
Laura Havlin
Fotografie-Autorin
16. Juni 2026∙6 min


Wir haben dir schon gezeigt, wie du bessere Reisefotos machst und deine Reisefotobücher gestaltest. Aber was ist mit den Momenten, in denen die Kamera Pause hat? Von großen Museen, die der Fotografie ihren Platz in der Kunstwelt verschafft haben, bis hin zu kleinen Spezialorten, die eher als Geheimtipps gelten: Diese Städte sind ideal für alle, die ihre Reise rund um gute Fotografie planen möchten. Vielleicht ist ja ein Ort für deinen nächsten Städtetrip dabei.
The Met. Foto: Georgia Sheridan, Unsplash
Manhattan Bridge. Foto: Laurenz Heyman, Unsplash
Keine Stadt bietet eine derart hohe Dichte bedeutender Fotografie wie New York. Ein guter Ausgangspunkt ist das International Center of Photography (ICP) auf der Lower East Side. Es wurde 1974 von Cornell Capa gegründet, um das Vermächtnis seines Bruders Robert und die Tradition des engagierten Fotojournalismus zu bewahren. Heute umfasst seine Sammlung mehr als 200.000 Fotografien und wird von einem durchweg ambitionierten Ausstellungsprogramm begleitet. Auch das Metropolitan Museum of Art und das MoMA besitzen herausragende Fotosammlungen. Beide brauchen kaum eine Einführung, belohnen aber eher einen längeren Besuch als ein kurzes Vorbeischauen.
In Chelsea kannst du die Aperture Foundation kostenlos besuchen. Sie vereint Buchhandlung, Galerie und Archiv unter einem Dach. Für ernsthafte Sammler:innen und echte Fotografie-Fans ist die Howard Greenberg Gallery im Fuller Building an der East 57th Street fast schon ein Pilgerort. Die 1981 gegründete Galerie war die erste, die Fotojournalismus und Straßenfotografie als Kunst ausstellte. Und die Namen, die sie vertritt – Cartier-Bresson, Kertész, Gordon Parks, Saul Leiter, Berenice Abbott – lesen sich wie eine Geschichte des Mediums selbst.
St Paul’s Cathedral. Foto: Jonathan Chung, Unsplash

Tower Bridge. Foto: David Tkocz, Unsplash

Buckingham Palace. Foto: Jean Carlo, Unsplash

Big Ben. Foto: Luke Tanis, Unsplash

Soho. Foto: Marcel Heil, Unsplash

Piccadilly Circus, London. Foto: Fabrizio Coco, Unsplash
The Photographers’ Gallery in Soho ist der ideale erste Stopp: Sie war die erste öffentliche Galerie in Großbritannien, die sich ausschließlich der Fotografie widmete. Eine weitere wichtige Institution ist das Victoria & Albert Museum, vielleicht einer der bedeutendsten Orte für Fotografie überhaupt. Es war das weltweit erste Museum, das Fotografien als Kunst sammelte, und seine Dauersammlung erzählt die gesamte Geschichte des Mediums. Die Fotobuch-Bibliothek des V&A kannst du vorab online buchen – ein echter Insider-Tipp für alle, die tiefer eintauchen möchten. Archivarbeiten können im Study Room zur Ansicht angefragt werden.
Neben den großen Museen gibt es in London viele unabhängige Fotografie-Organisationen, die eigene Perspektiven eröffnen. Autograph in Shoreditch beschäftigt sich mit Race, Repräsentation, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit. Four Corners in Bethnal Green setzt sich seit 40 Jahren für Fotografie und Film abseits des Mainstreams ein. Auch die Galerieszene der Stadt ist spannend: Iconic Images handelt mit hochpreisiger Kulturfotografie, von Rockstars bis hin zu Filmstars, während die Michael Hoppen Gallery eine Adresse für Sammler:innen ist, die nach seltenen Vintage-Prints aus Archiven und privaten Sammlungen weltweit suchen.
Das Grand Palais, Paris. Foto: Norbu Gyachung, Unsplash
Gibt es eine Stadt, die Fotografie mehr liebt als Paris? Hier gründeten Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und ihre Mitstreiter 1947 Magnum Photos – die legendäre Kooperative, die den Fotojournalismus dauerhaft geprägt hat. Die Pariser Galerie der Agentur in der Rue Léon Frot im 11. Arrondissement zeigt wechselnde Ausstellungen mit Archivarbeiten und zeitgenössischen Werken aus ihrer fast 80-jährigen Geschichte. Wer Fotografie ernsthaft liebt, sollte hier unbedingt vorbeischauen.
Im Marais bewahrt die Maison Européenne de la Photographie (MEP) 24.000 fotografische Arbeiten, die internationale Positionen von den 1950er-Jahren bis heute abbilden, darunter Schlüsselwerke von Robert Frank und William Klein. Nur einen kurzen Spaziergang entfernt befindet sich das Archiv der Fondation Henri Cartier-Bresson. Und das Jeu de Paume am Rand des Jardin des Tuileries zeigt eines der ambitioniertesten Fotografieprogramme Europas.
Jeden November übernimmt außerdem Paris Photo das Grand Palais. Die Messe gilt weithin als wichtigste Fotografie-Messe der Welt. Sie ist ein großes Ereignis für sich und stößt zugleich zahlreiche unabhängige Satellitenausstellungen und Veranstaltungen in der ganzen Stadt an. Für Fotografie-Fans ist sie ein Muss.
Amsterdam, Niederlande. Foto: Nastya Dullhieer, Unsplash
Amsterdam hat einen besonderen Platz in der Fotokultur: Die Stadt ist der feste Sitz der World Press Photo Foundation, deren jährlicher Wettbewerb und Wanderausstellung weltweit Maßstäbe im Fotojournalismus setzen. In Amsterdam läuft die Ausstellung von April bis September – Grund genug, die Reise darum herum zu planen.
Das Fotografiemuseum Amsterdam, kurz FOAM, ist eine weitere wichtige Adresse. Es befindet sich in einem historischen Kanalhaus an der Keizersgracht und zeigt rund 20 Ausstellungen pro Jahr, von Dokumentar- und Straßenfotografie bis hin zu Porträt- und Modefotografie. Dabei verbindet das Museum große internationale Namen mit aufstrebenden Talenten. Rund 40 % der Besucher:innen sind unter 35 – das sagt einiges über die Atmosphäre und die Energie des Programms aus. Nur wenige Schritte weiter am selben Kanal bietet Huis Marseille einen ruhigeren Gegenpol: ein zweites Museum, das ganz der Fotografie gewidmet ist, untergebracht in einem Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert, mit einem ruhigeren, persönlicheren Programm.
Budapest. Foto: Linoleum Creative Collection, Unsplash
Gellért-Heilbad. Foto: Linoleum Creative Collection, Unsplash
Die ungarische Hauptstadt hat enorm viel zur Geschichte der Fotografie beigetragen – nicht zuletzt als Geburtsort von Robert Capa und André Kertész, zwei der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Die wichtigste Institution ist das Robert Capa Contemporary Photography Center mit einer Dauersammlung, die den beiden Fotografen gewidmet ist, sowie einem starken Programm wechselnder Ausstellungen. Nicht weit entfernt liegt das Mai Manó House: ein stimmungsvolles Jugendstilgebäude, das 1894 für den königlichen Hoffotografen errichtet wurde. Heute ist es Galerie, Buchhandlung und Café zugleich – und schon allein wegen des Gebäudes einen Besuch wert.
Der eigentliche Insider-Tipp ist jedoch das Eidolon Centre for Everyday Photography, eine kleine Institution für Alltagsfotografie: Familienbilder, Amateuraufnahmen und alltägliche Fotos, die den größten Teil unseres visuellen Erbes ausmachen, aber selten ernsthaft gewürdigt werden.
Turin, Italien. Foto: Girgori Shcheglov
Auf klassischen Italienrouten wird Turin leicht übersehen. Für Fotografie-Liebhaber:innen gibt es hier jedoch einen sehr guten Grund, einen Besuch zu planen: CAMERA Centro Italiano per la Fotografia. Das 2015 gegründete Zentrum befindet sich in einem umgebauten Kloster aus dem 19. Jahrhundert in der Via delle Rosine. Es widmet sich ausschließlich der Fotografie und verbindet Ausstellungsort, Bildungszentrum und Archiv. Das Programm umfasst italienische und internationale Arbeiten und unterstützt zeitgenössische Fotograf:innen aktiv dabei, neue Werke zu zeigen.
Nur einen kurzen Spaziergang entfernt, im Palazzo Turinetti an der Piazza San Carlo, liegt die Gallerie d’Italia: ein weitläufiges Museum für Fotografie und Videokunst. Dort befindet sich auch das Publifoto-Archiv mit sieben Millionen fotojournalistischen Bildern aus sechs Jahrzehnten italienischer Geschichte.

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