Reisen
London im Fokus: die schönsten Fotospots der Stadt
Von stillen Innenhöfen bis zu schwimmenden Buchläden – entdecke mit Fotografin Siobhan Ferguson verborgene Orte
Siobhan Ferguson
Fotografin
24. Okt. 2025∙9 min


Reisen
Von stillen Innenhöfen bis zu schwimmenden Buchläden – entdecke mit Fotografin Siobhan Ferguson verborgene Orte
Siobhan Ferguson
Fotografin
24. Okt. 2025∙9 min


Als Kuratorin und Gründerin der äußerst beliebten Instagram-Accounts @prettycitylondon, @theprettycities und @siobhaise kennt Siobhan Ferguson die besten Geheimtipps und die schönsten Orte, die es in der Stadt zu entdecken gibt.
London war noch nie eine Stadt, die sich leicht in eine Schublade stecken lässt. Ihre Schönheit zeigt sich nicht in einem einzigen Gesicht, sondern in unzähligen wechselnden Facetten – von eleganten Häuserzeilen und grünen Plätzen bis zu gepflasterten Gassen, in denen die Zeit stillzustehen scheint, und Straßen, die von ständiger Erneuerung leben. Als ich begann, über London zu schreiben, zog es mich zunächst in die zeitlosen Viertel wie Belgravia, Notting Hill, Hampstead und Chelsea, wo Geschichte nachhallt und die Schönheit in ihrer Beständigkeit fast filmisch wirkt.
Für mein zweites Buch zog es mich in eine andere Richtung. Dort, wo sich Altes und Neues begegnen, habe ich eine neue Form von Schönheit entdeckt: vielschichtig, facettenreich und voller Kontraste. Hinter einer belebten Einkaufsstraße taucht plötzlich eine versteckte Kirche auf, und ein schwimmender Buchladen liegt direkt neben modernen Neubauten vor Anker.
In all diesen Vierteln zog mich dieselbe Qualität an: eine lebendige kulinarische Szene und ein unabhängiger Geist – Märkte, Cafés, Restaurants und Manufakturen, die einem Viertel seinen täglichen Rhythmus verleihen – kombiniert mit einer architektonischen Tiefe, die es in der Geschichte verankert. Genau dieses Zusammenspiel fasziniert mich am meisten: Straßen, auf denen du bei einem Essen oder Kaffee verweilen kannst und nur wenige Minuten später in einen Moment der Poesie oder Besinnung eintauchst. London lässt sich unmöglich auf nur eine Handvoll Viertel reduzieren. Doch hier sind zehn Vignetten, von denen jede ein kulturelles Erlebnis mit einem Ort zum Innehalten, Essen oder Verweilen verbindet – und die zusammen etwas vom unverrückbaren Charakter der Stadt einfangen.
Foto: Siobhan Ferguson
Schlüpfe in die Artillery Passage, ein schmaler Streifen London aus dem 17. Jahrhunderts, wo schiefe Fachwerkfassaden und Kopfsteinpflaster von einer anderen Zeit erzählen. Gleich um die Ecke pulsiert der Old Spitalfields Market unter seinem viktorianischen Dach – stöbere durch Antiquitäten, Vintage-Schätze und Essensstände und spaziere weiter zur Fournier Street und Wilkes Street, wo georgianische Häuser erstaunlich gut erhalten sind. Mach Halt bei Nagare in der Brushfield Street – hier wird Kaffee mit stiller Präzision zubereitet und schenkt dir einen Moment der Ruhe am rastlosen Rand der Stadt.
Foto: Siobhan Ferguson
Soho trägt seine Geschichte in Schichten – auf der einen Straße Neonlicht und Lärm, auf der nächsten stille Ecken. Andrew Edmunds, untergebracht in einem von Kerzen erleuchteten Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert in der Lexington Street, zählt zu den stimmungsvollsten Restaurants der Stadt. Ein Abendessen hier wirkt wie aus der Zeit gefallen, während der Rest von Soho vor unruhiger Energie vibriert.
Foto: Siobhan Ferguson
Foto: Siobhan Ferguson
Klappernde Teller, das warme Leuchten der Kronleuchter, der Duft perfekt zubereiteter Meeresfrüchte – Randall & Aubin zeigt Soho von seiner ausgelassensten Seite. Die anglo-französische Brasserie mit über hundertjähriger Geschichte zelebriert Austern, Champagner und unverwechselbaren Charakter. Nur wenige Schritte entfernt liegt Smith’s Court, ein intimer Innenhof, in dem William Curley mit erlesenen Pralinen verführt. Unabhängige Läden rund um den ruhigen Platz sorgen für eine sanftere, entspannte Atmosphäre.
Foto: Siobhan Ferguson
Dieses Viertel wirkt feiner und ruhiger als die nahegelegene Oxford Street. Beginne in der Wallace Collection mit ihren Rokoko-Räumen und Kunstwerken von Weltrang, verborgen in einem prachtvollen Stadthaus. Spaziere weiter zur Chiltern Street, wo sich hinter roten Backsteinfassaden spezialisierte Geschäfte verbergen, viele mit Ateliers in ihren Untergeschossen. Den Abschluss bildet der Wyndham Place: Dort wacht eine neoklassizistische Kirche über den Platz und füllt ihn bei Kerzenlichtkonzerten mit Musik und Wärme.
Foto: Siobhan Ferguson
Kaum ein Ort zeigt die Vielschichtigkeit Londons so deutlich wie dieser. Das am Ufer gelegene, palastartige Somerset House beeindruckt mit seinen neoklassizistischen Innenhöfen, der geschwungenen Nelson Staircase und ständig wechselnden Ausstellungen. Von dort aus gelangst du in die Inns of Court, wo sich die Zeit in versteckten Gärten, verwinkelten Gassen und einer geschichtsträchtigen Atmosphäre zurückzudrehen scheint. Den Abschluss bildet ein Pint im Seven Stars, wo sich Barrister und Studierende in einem der charaktervollsten Pubs Londons begegnen.
Foto: Siobhan Ferguson
Foto: Siobhan Ferguson
An der Themse ist Ham House ein selten erhaltenes Zeugnis des Stuart-Londons, mit Innenräumen voller Samt, Vergoldungen und leiser Spuren vergangener Zeiten. Folge dem Uferweg, bis du zu den Petersham Nurseries gelangst, wo Gewächshäuser von Jasmin überquellen und das Licht durch Glasdächer fällt. Hier kannst du zwischen Kletterrosen und Terrakottatöpfen essen – und die Stadt wirkt plötzlich zeitlos und ganz fern.
Foto: Siobhan Ferguson
Cloth Fair ist ein verwinkeltes Relikt des mittelalterlichen London, seine schmalen Gassen sind von Geschichte durchzogen. Tritt ein in St Bartholomew the Great, die älteste Pfarrkirche der Stadt, deren hoch aufragendes Kirchenschiff und flackernde Kerzen eine seltene Stille schaffen. Ganz in der Nähe bietet das Restaurant Cloth Fair eine intime, zurückhaltende Atmosphäre – ein ruhiger Rückzugsort inmitten alter Straßen. Nur wenige Schritte weiter liegt der Smithfield Market mit seinen weitläufigen viktorianischen Hallen, die von Jahrhunderten des Handels erzählen – stimmungsvoll und unverkennbar London.
Foto: Siobhan Ferguson
Die Bermondsey Street wirkt wie ein Viertel im Kleinformat: eine ansprechende Straße mit unabhängigen Cafés, Restaurants und Delikatessläden, in der der Tag mühelos vom Morgenkaffee bis zum späten Abendessen übergeht. Nur einen kurzen Spaziergang entfernt bildet der Guy’s Campus des King’s College London einen deutlichen Kontrast. Der Keats Garden ist ein stiller, grüner Rückzugsort, in dem die Statue des Dichters zwischen Blumen und Bänken steht. Dahinter verleihen Kreuzgangbögen und ein schwarz-weiß gefliester Boden dem Ort architektonischen Charakter – eine Erinnerung daran, dass London selbst im Herzen der Stadt Raum für Stille findet.
Foto: Siobhan Ferguson
King’s Cross hat sich vom Industrieviertel zu einem stilvollen Ziel gewandelt, doch seine raue Seite ist dabei nicht verschwunden. Coal Drops Yard verbindet Backstein und Eisen mit markanter moderner Architektur. Am Kanal liegt Word on the Water, ein niederländischer Lastkahn aus den 1920er-Jahren, der heute als Buchladen dient. Zwischen Regalen und Geschichten entsteht hier ein schwimmender Rückzugsort – und die Erinnerung daran, dass Neuerfindung auch Seele haben kann.
Foto: Siobhan Ferguson
Der 1673 gegründete Chelsea Physic Garden zählt zu den ältesten und bezauberndsten Grünanlagen Londons. Hinter seinen Mauern gedeihen Heilpflanzen, duftende Beete und Jahrhunderte botanischer Geschichte. Nach einem Spaziergang zwischen Gewächshäusern und Wegen erreichst du in wenigen Minuten The Pig’s Ear, einen beliebten Pub im Viertel, dessen holzgetäfelte Räume und herzhafte Küche den Tag in geselliger Atmosphäre ausklingen lassen.
Mehr solcher Momentaufnahmen findest du in meinem neuen Buch Pretty City London: Volume 2, erschienen bei The History Press und jetzt erhältlich.

Kate Lough
Autorin und Redakteurin
30. Okt. 2025∙10 min

Ben Olsen
Schriftsteller Popsa
30. Okt. 2025∙4 min