Jeden Morgen vor Sonnenaufgang stiegen wir in den offiziellen Parkbus und machten uns auf die Suche nach den neuesten Wildtiersichtungen. Wenn die Freiwilligen am Vorabend über den Rangerfunk von einem frischen Elchkadaver in einer abgelegenen Ecke des Parks erfuhren, fuhren wir genau dorthin. Später am Nachmittag folgten wir vielleicht einem Hinweis auf einen Elchbullen nahe dem bewaldeten Nordosteingang des Parks. Unterwegs hielten wir an weniger bekannten Beobachtungsorten, an denen kürzlich Fuchs- oder Dachsfamilien, Kraniche oder Murmeltiere gesichtet worden waren. Überall, wohin wir kamen, tollten neugeborene Bisonkälber durch die Salbeifelder. Wegen ihres rötlichen Fells werden sie liebevoll „Red Dogs“ genannt.
Wie die Tiere waren auch wir vor allem morgens und abends aktiv, zu den beiden Tageszeiten mit dem weichsten und interessantesten Licht. Während wir Yellowstone kreuz und quer durchquerten, sammelte unsere bunt zusammengewürfelte Gruppe angehender Wildtierfotograf:innen viele kleine Beobachtungen über die Natur und ihre Bewohner. Unsere Kursleiterin fügte all diese Eindrücke mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung zu einem umfassenden Bild der Tieraktivität im Park zusammen – vom Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit.
Während meiner Woche in Yellowstone brachte jeder Tag neue Tierbegegnungen, Einblicke in ihr Verhalten und einen immer tieferen Respekt vor den eindrucksvollen Kreisläufen von Leben, Tod und Neubeginn. Wie die Wildnis selbst hält auch die Wildtierfotografie größere Lektionen bereit: Werde langsamer. Beobachte deine Umgebung. Versuche vorherzusehen, was als Nächstes geschieht. Lerne, still zu sein. Man muss weder professionelle Wildtierfotografin noch professioneller Wildtierfotograf sein, um zu erleben, welche besondere Magie entsteht, wenn man seine Sinne auf die Natur einstimmt.