Fotografie

Was Yellowstone mich über Wildtierfotografie gelehrt hat

Frühe Starts im Morgengrauen, Tipps aus dem Rangerfunk und eine wichtige Lektion in Sachen Vorbereitung: eine Woche Wildtierfotografie in Amerikas wildestem Nationalpark

Taylor Hatmaker

3. Juli 20267 min

Was Yellowstone mich über Wildtierfotografie gelehrt hat
Was Yellowstone mich über Wildtierfotografie gelehrt hat

Nachdem ich meinen Vollzeitjob als Redakteurin gekündigt hatte, wollte ich mich mit einem Abenteuer belohnen. Nach Jahren, in denen ich zu viel Zeit am Schreibtisch verbracht hatte, sehnte ich mich nach einem Tapetenwechsel: einer überschaubaren, aber dennoch außergewöhnlichen Reise, die mir nach all den langen Tagen in der Redaktion helfen sollte, einen neuen Rhythmus zu finden.

Foto: Taylor Hatmaker

Foto: Taylor Hatmaker

Wenn es um außergewöhnliche Naturerlebnisse geht, sind die US-Nationalparks kaum zu übertreffen. Trotzdem hatte ich es noch nie nach Yellowstone geschafft, obwohl ich schon viele Nächte an staubigen Straßen im Joshua-Tree-Nationalpark damit verbracht hatte, den Sternenhimmel zu fotografieren, und mich durch dichte Lupinenfelder an den Ausläufern des Mount Rainier bewegt hatte. Yellowstone ist der älteste und vielleicht auch der großartigste Nationalpark von allen. Viele Nationalparks wurden wegen ihrer weiten Ausblicke, ihrer gewaltigen Granitformationen oder ihrer schier unvorstellbaren Schluchten ausgewiesen. Yellowstone hingegen fasziniert mit einer Landschaft, die sichtbar in Bewegung ist. Überall brodelt und dampft es durch geothermische Aktivität. Gleichzeitig gilt der Park als eines der besten Gebiete für Wildtierbeobachtungen in den 48 zusammenhängenden US-Bundesstaaten.

Für mich, die alles andere als eine Wildtierfotografin ist, war Yellowstone das ideale Testgelände für eine fotografische Disziplin, die ich bisher kaum ausprobiert hatte. Es sei denn, man zählt die paar Fotos von zwei Amseln, die sich einmal lautstark gestritten haben. Kurz darauf meldete ich mich für ein intensives Praxisseminar zur Wildtierfotografie bei Yellowstone Forever an. Die gemeinnützige Organisation ist eng mit dem Nationalpark verbunden und bietet Bildungsprogramme zu ganz unterschiedlichen Themen an – von der farbenfrohen Geologie bis zum Sozialleben von Wolfsrudeln. Mit weniger als einer Woche Vorbereitungszeit für diesen spontanen Roadtrip stürzte ich mich ins Abenteuer und war bereit zu lernen.

Foto: Taylor Hatmaker

Eine Lektion in Vorbereitung

Ich bin begeisterte Camperin und gehe gelegentlich allein auf Trekkingtouren. In meinem Freundeskreis gelte ich als jemand, der immer vorbereitet ist. Doch selbst meine – zugegeben recht spontane – Planung wurde für diesen Yellowstone-Kurs auf die Probe gestellt. In weniger als einer Woche musste ich nicht nur alles für fünf Tage auf dem Campus im Lamar Valley organisieren, einem wildtierreichen und fast magisch wirkenden Teil Yellowstones. Ich brauchte auch die passende Ausrüstung für eine fotografische Disziplin, die für mich völlig neu war. Nach mehreren hektischen Packlisten und einem in letzter Minute gelieferten Leihobjektiv war mein Subaru bis unters Dach vollgepackt. Zwischen Pelicankoffern, Wollschichten und Gläsern voller Erdnussbutter blieb gerade noch Platz für mich.

Für dieses hoffentlich nicht einmalige Erlebnis mietete ich ein Sony FE 200–600 mm f/5,6–6,3. Das Superteleobjektiv holt weit entfernte und schnelle Motive erstaunlich nah heran. Da meine gesamte Vorbereitungszeit fürs Packen und Organisieren draufging, blieb kaum Gelegenheit, das Objektiv auszuprobieren. Wenig später stand ich bereits um fünf Uhr morgens mit müden Augen auf, um Yellowstones Tierwelt während ihrer geschäftigen Stunden vor Sonnenaufgang zu fotografieren.

Foto: Taylor Hatmaker

Auf ungewohntem Terrain

Obwohl mir meine Kursleiterin, eine erfahrene Wildtierfotografin, die einen Großteil ihrer Zeit mit dem Fotografieren von Bären verbringt, viele technische Tipps gab, merkte ich schnell, wie viel ich noch lernen musste.

Wildtiere sind unberechenbar. Das macht die Wildtierfotografie deutlich nervenaufreibender als die entspannte Straßen- und Landschaftsfotografie, die ich gewohnt bin. Im Norden Yellowstones lebt eine beeindruckende Vielfalt an Tieren, die sich anderswo nur schwer beobachten lässt. Doch man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – und bereit sein, wenn sich die Gelegenheit bietet. Gelungene Aufnahmen von Weißkopfseeadlern, Grizzlybären, Gabelböcken, Pfeifhasen, Kojoten oder Bisons sind nur einige der Belohnungen für gründliche Vorbereitung.

Foto: Taylor Hatmaker

Leicht übermüdet und voller Aufregung verlief mein erster Tag allerdings nicht besonders erfolgreich. Ich kämpfte damit, meine Kamera samt dem riesigen, ungewohnten Objektiv auf dem Gimbalkopf zu befestigen, den ich in letzter Minute für mein Stativ gekauft hatte. Wertvolle Zeit ging verloren, während ich mich durch die Menüs arbeitete, um den Fokusmodus, den ISO-Wert und die Blende für scharfe Aufnahmen unter schwierigen Lichtbedingungen einzustellen. Besonders deutlich wurde das, als wir zwei junge Schwarzbären auf einer Lichtung entdeckten und ich zugleich mit hellem Licht und tiefen Schatten zurechtkommen musste.

Bis heute bedaure ich ein wenig, mir nicht einen zusätzlichen Tag genommen zu haben, um die neue Ausrüstung ganz ohne Druck kennenzulernen. Auch wenn mir die gestochen scharfe Aufnahme der beiden jungen Grizzlys fehlt, die im grellen Mittagslicht ihre Nasen aneinanderdrückten, habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Man sollte besser noch gründlicher vorbereitet sein, als man zunächst für nötig hält.

Foto: Taylor Hatmaker

Zwei Tage später bekam ich eine zweite Chance. Diesmal gelangen mir einige Aufnahmen eines kleinen Kurzschwanzwiesels, das zwischen den Felsen hin und her huschte. Wiesel gehören zu meinen Lieblingstieren. Wegen ihrer geringen Größe und schnellen Bewegungen sind sie schwer zu entdecken und noch schwieriger zu fotografieren. Es war zwar kein Grizzlyjunges, doch für mich war diese Begegnung etwas Besonderes – und ein Zeichen dafür, wie viel ich in der Wildtierfotografie bereits dazugelernt hatte.

Ein vielschichtiges Zusammenspiel

Yellowstones Wildtierwelt aus nächster Nähe zu erleben, war eine außergewöhnliche Erfahrung. Das verdankte ich vor allem dem Wissen meiner Kursleiterin, den freiwilligen Helfer:innen und den anderen Kursteilnehmenden. Normalerweise bin ich oft allein unterwegs, besonders wenn ich draußen fotografiere. Doch auf eigene Faust hätte ich bei der Suche nach den Wildtieren von Yellowstone und beim Fotografieren schnell die Orientierung verloren.

Fotos: Taylor Hatmaker

Jeden Morgen vor Sonnenaufgang stiegen wir in den offiziellen Parkbus und machten uns auf die Suche nach den neuesten Wildtiersichtungen. Wenn die Freiwilligen am Vorabend über den Rangerfunk von einem frischen Elchkadaver in einer abgelegenen Ecke des Parks erfuhren, fuhren wir genau dorthin. Später am Nachmittag folgten wir vielleicht einem Hinweis auf einen Elchbullen nahe dem bewaldeten Nordosteingang des Parks. Unterwegs hielten wir an weniger bekannten Beobachtungsorten, an denen kürzlich Fuchs- oder Dachsfamilien, Kraniche oder Murmeltiere gesichtet worden waren. Überall, wohin wir kamen, tollten neugeborene Bisonkälber durch die Salbeifelder. Wegen ihres rötlichen Fells werden sie liebevoll „Red Dogs“ genannt.

Wie die Tiere waren auch wir vor allem morgens und abends aktiv, zu den beiden Tageszeiten mit dem weichsten und interessantesten Licht. Während wir Yellowstone kreuz und quer durchquerten, sammelte unsere bunt zusammengewürfelte Gruppe angehender Wildtierfotograf:innen viele kleine Beobachtungen über die Natur und ihre Bewohner. Unsere Kursleiterin fügte all diese Eindrücke mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung zu einem umfassenden Bild der Tieraktivität im Park zusammen – vom Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Während meiner Woche in Yellowstone brachte jeder Tag neue Tierbegegnungen, Einblicke in ihr Verhalten und einen immer tieferen Respekt vor den eindrucksvollen Kreisläufen von Leben, Tod und Neubeginn. Wie die Wildnis selbst hält auch die Wildtierfotografie größere Lektionen bereit: Werde langsamer. Beobachte deine Umgebung. Versuche vorherzusehen, was als Nächstes geschieht. Lerne, still zu sein. Man muss weder professionelle Wildtierfotografin noch professioneller Wildtierfotograf sein, um zu erleben, welche besondere Magie entsteht, wenn man seine Sinne auf die Natur einstimmt.

Laden Sie die App herunter

Dank Popsas praktischer Gesichtserkennung und unseren Intelligenten Alben kannst du Erinnerungen jetzt noch schneller wiederfinden.

App StoreApp Store
Laden Sie die App herunter