Fotografie
Islands Nordlichter richtig fotografieren
Der in Island lebende Outdoor-Fan Jan Dančák gibt Tipps, wie man das berühmteste Naturphänomens des Landes richtig einfängt
16. Sep. 2025∙8 min


Fotografie
Der in Island lebende Outdoor-Fan Jan Dančák gibt Tipps, wie man das berühmteste Naturphänomens des Landes richtig einfängt
16. Sep. 2025∙8 min


Jan Dančák, besser bekannt als „Jan in Iceland“, lebt seit Jahren in Island, jagt Nordlichter und fotografiert die dortige Natur. Auf seinem YouTube-Kanal teilt er Tipps und Anleitungen, die die Magie Islands für Besucher:innen zugänglich machen.
Nordlichter gehören zu den magischsten Naturschauspielen der Welt. Wenn du vorhast, Island zu besuchen, dann stehen sie wahrscheinlich ganz oben auf deiner Liste. Zwar ist es ein wahrlich unvergesslicher Moment, sie über dem Himmel tanzen zu sehen, aber sie mit der Kamera einzufangen ist eine ganz andere Sache. Nordlichter einzufangen kann schwierig sein, denn die Aurora bleibt nach wie vor unvorhersehbar. Wenn sich dann auch noch das Wetter ständig ändert, wird ein gutes Foto nahezu unmöglich. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, dass Touristen ohne ihr heiß ersehntes Nordlichter-Foto nach Hause zurückkehren.
Ich jage und fotografiere die Nordlichter hier seit fast zehn Jahren und kann dir sagen: Mit der richtigen Herangehensweise kann jeder tolle Aufnahmen dieses einmaligen Naturschauspiels machen. Du brauchst weder die teuerste Ausrüstung noch jahrelange Foto-Erfahrung, sondern nur ein paar clevere Techniken und etwas Geduld.Hier sind meine besten Tipps für die Nordlichter, damit du nicht nur die besten Chancen hast, sie zu sehen, sondern sie auch wie ein Profi fotografieren kannst.
Foto: Jan Dančák
Die Nordlichter kann man nur sehen, wenn der Himmel dunkel ist. Das bedeutet, dass sie während der Sommermonate in Island völlig unsichtbar sind. Von Mitte April bis Ende August geht die Sonne kaum unter, denn dank der Mitternachtssonne bleibt es fast durchgehend hell. Nordlichtjäger sollten ihren Islandurlaub daher am besten zwischen September und März planen.
Ich persönlich liebe den September und den Oktober, weil die Nächte lang genug für gute Aufnahmen sind, die Temperaturen aber noch nicht brutal kalt. Außerdem gibt es ohne Schnee auf dem Boden weniger Reflexion durch das Mondlicht, wodurch der Himmel dunkler erscheint und die Aurora noch besser zur Geltung kommt.
Es gibt Dutzende Apps und Webseiten, die versprechen, die Nordlichter exakt vorherzusagen. Tatsächlich ändern sich die Wetterbedingungen in Island oft sehr schnell – viele dieser Tools machen die Sache daher nur unnötig kompliziert. Die einzige Website, auf die ich mich verlasse, ist vedur.is, die offizielle Webseite des isländischen Wetteramts. Dort findest du zwei wichtige Infos: die Wolkendecke (grün bedeutet bewölkt, weiß bedeutet klar) und die Nordlicht-Vorhersage (eine Skala von 0 bis 9, die die erwartete Stärke anzeigt). Meine Faustregel lautet: Alles, was mit 2 oder höher bewertet ist, ist einen Ausflug wert. Aber verlass dich nicht nur auf Zahlen, denn ein klarer Himmel ist wichtiger als die vorhergesagte Stärke.
Foto: Jan Dančák
Bei der Jagd nach Polarlichtern verhält es sich ähnlich wie bei der Beobachtung von Sternen am Nachthimmel: Je dunkler die Umgebung, desto besser die Sicht. Wenn du mitten in Reykjavik stehst, wirst du nur die hellsten und stärksten Nordlichter erleben können. Zum Glück kann man in Island einfach etwa fünf Minuten aus der Stadt hinausfahren oder hinter einen Hügel, eine Mauer oder in einen kleinen Wald gehen, um dem direkten Licht zu entkommen. Ich erinnere mich noch gut an eine Nacht, als ich kurz vor Reykjavik anhielt und plötzlich der ganze Himmel grün und lila wurde – ich war das einzige Auto dort und es fühlte sich an wie eine Privatvorstellung.
Foto: Jan Dančák
Einer der größten Fehler, den Leute machen, ist, zu lange mit den Vorbereitungen zu warten. Die spektakulärsten Nordlichter-Shows habe ich meistens gleich zu Beginn der Nacht gesehen. Zuerst sieht die Aurora vielleicht wie ein schwacher grüner Fleck am Himmel aus, den man leicht übersehen kann, wenn man nicht genau hinschaut. Aber dann fängt sie plötzlich an, sich schnell zu bewegen und den ganzen Himmel zu füllen. Wenn deine Kamera nicht bereit ist, verpasst du das. Mein Tipp: Mach dich fertig und sei bereit, bevor es dunkel wird.
Foto: Jan Dančák
Klar, ein klarer Himmel ist am besten, aber du brauchst keine perfekten Wetterbedingungen für ein gutes Foto. Manchmal reicht schon eine kleine Lücke in den Wolken. Wolken können deine Fotos sogar interessanter machen, indem sie der Szene Struktur und Dramatik verleihen. Wenn die Vorhersage einen teilweise klaren Himmel verspricht, lohnt es sich, loszuziehen. Glaub mir, einige meiner besten Bilder sind in Nächten entstanden, in denen die meisten Leute wegen der Wolken zu Hause geblieben sind.
Foto: Jan Dančák
Hier ist meine ehrliche Meinung: Die großen Nordlicht-Bustouren lohnen sich nicht. Zu oft bringen sie Gruppen einfach zu einem Parkplatz außerhalb von Reykjavik und warten dort in der Hoffnung auf ein Spektakel. Stattdessen empfehle ich dir, entweder selbst loszufahren, wenn du ein Auto gemietet hast (das ist einfacher als du denkst), oder bei einem kleineren Anbieter zu buchen, idealerweise bei einem, der von einem Fotografen oder einem lokalen Reiseführer betrieben wird. Auf diese Weise besuchst du bessere Orte und bekommst vielleicht sogar praktische Hilfe bei den Kamera-Einstellungen für deine Nordlichterfotos.
Foto: Jan Dančák
Mit einem aktuellen Handy-Modell kannst du überraschend gute Polarlichtfotos machen. Neuere iPhones (ab iPhone 14) und Android-Handys kommen super mit wenig Licht klar. So stellst du dein Handy ein: Deaktiviere den Blitz, aktiviere den Nachtmodus und wähle die längste verfügbare Belichtungszeit. Halte dein Handy ruhig oder stelle es auf ein Stativ. Stelle einen Timer ein, um Verwackler zu vermeiden. Die besten Ergebnisse kannst du mit dem Hauptobjektiv erzielen, ein Ultraweitwinkelobjektiv eignet sich eher nicht für die Nordlichter. Denk daran, dass du mit einem etwas älteren Handy zwar auch Fotos machen kannst, die Qualität jedoch nicht mit der neuerer Modelle mithalten kann. Für viele Reisende ist das Fotografieren von Nordlichtern mit dem Handy die einfachste und lohnendste Option.
Wenn du eine GoPro oder eine Actioncam besitzt, kannst du mit den richtigen Einstellungen ebenfalls Nordlichter fotografieren. Schalte den Nachtmodus ein, stelle die Verschlusszeit auf etwa 15 Sekunden ein und halte die ISO unter 800, um Bildrauschen zu reduzieren. Fotografiere nach Möglichkeit immer im RAW-Format. Ein Stativ ist unerlässlich, da selbst die geringste Verwacklung das Bild unscharf macht.
Foto: Jan Dančák
Wenn du eine DSLR- oder eine spiegellose Kamera verwendest, dann fotografiere am besten vollständig im manuellen Modus. Hier sind meine eigenen Einstellungen:
Blende: so weit geöffnet, wie es dein Objektiv zulässt (f/2,8 oder weniger ist ideal, f/4 funktioniert auch gut).
Verschlusszeit: 8–15 Sekunden, je nach Aktivität der Aurora. Längere Belichtungszeiten wie 20–30 Sekunden können schwache Lichter hervorheben, aber bei sich schnell bewegenden Darstellungen solltest du die Belichtungszeit kürzer halten, um Details zu erhalten.
ISO: Beginne mit etwa 800 und passe den Wert nach Bedarf an.
Stelle den Weißabgleich auf etwa 4.000 K ein, um Gelbtöne zu vermeiden. Mit Weitwinkelobjektiven (12–16 mm) kannst du mehr vom Himmel einfangen, aber auch ein 24-mm-Objektiv kann funktionieren. Such dir ein entferntes Licht, fixiere den Fokus und schalte dann auf manuell um. Es gibt in der Umgebung kein entferntes Licht zum Fokussieren? Dann stell dein Objektiv auf den manuellen Modus um und den Fokusring auf unendlich (mit dem Unendlichkeitssymbol). Vergrößere den Fokus auf deinem hinteren Bildschirm, suche den hellsten Stern und nimm kleine Anpassungen an deinem Fokusring vor, bis der Stern wie ein Punkt erscheint.
Das ist normalerweise meine Ausgangsbasis, die ich dann je nach Stärke und Geschwindigkeit der Nordlichter anpasse. Kein Nordlicht gleicht dem anderen – gerade das macht das Fotografieren so spannend. Mach dir keine Gedanken darüber, die neueste oder teuerste Ausrüstung zu haben, denn Technik und Geduld sind viel wichtiger.
Foto: Jan Dančák
Es kann vorkommen, dass du alles richtig machst und trotzdem ohne Nordlichtfoto nach Hause gehst. Das Wetter in Island ist unvorhersehbar, und manchmal klaren die Wolken einfach nicht auf. Ein anderes Mal sieht die Vorhersage schlecht aus, und plötzlich explodieren die Polarlichter über dir. Das ist Teil der Magie: Man weiß nie, wann der Himmel zum Leben erwacht.
Bleib geduldig, versuche es weiter und lass dich von den kalten Nächten nicht entmutigen. Der Weg ist das Ziel, und die Anstrengung macht die Belohnung umso schöner. Ich erinnere mich noch gut an eine Nacht, in der die Vorhersage „2“ (sehr geringe Aktivität) lautete, und dennoch erstrahlte der Himmel in tanzenden grünen und roten Wellen – eine der besten Nordlichter, die ich je gesehen habe.

Mathias Fernandes
Reise- und Abenteuerfotograf
4. Aug. 2025

Dan Mold
Fotograf und Autor
3. Juli 2025∙7 min