Fotografie
Wie du bessere Fotos von deinem Garten machst
Gartenfotografin Julie Skelton verrät ihre besten Tipps, um Licht, Texturen und die Schönheit der Jahreszeiten mit der Kamera einzufangen
Julie Skelton
Fotografin
7. Mai 2026∙9 min


Fotografie
Gartenfotografin Julie Skelton verrät ihre besten Tipps, um Licht, Texturen und die Schönheit der Jahreszeiten mit der Kamera einzufangen
Julie Skelton
Fotografin
7. Mai 2026∙9 min


Julie Skelton hat ein besonderes Gespür dafür, Grünpflanzen in Kunst zu verwandeln. Bekannt für ihre Fähigkeit, Texturen, Farben und Stimmungen einzufangen, die Außenräume einzigartig machen, hat sie sich darauf spezialisiert, mit natürlichem Licht die Schönheit und den Charakter jeder Jahreszeit sichtbar zu machen. Hier teilt sie ihre besten Tipps zur Pflanzen- und Landschaftsfotografie, damit du die Persönlichkeit deines Gartens durch die Linse zum Leben erwecken kannst.
Ein Beruf, der so eng mit den Jahreszeiten verbunden ist, ist eine wunderbare Möglichkeit, sich mit der Natur zu verbinden. Ich habe seit fast 17 Jahren ein Fotografieunternehmen (zuvor war ich leidenschaftliche Hobby-Landschaftsfotografin), aber seit sechs Jahren konzentriere ich mich ausschließlich auf Gärten. Ich liebe die Achtsamkeit, die die Gartenfotografie mit sich bringt. Abgesehen davon, dass Zeit im Grünen nachweislich gut für Körper und Geist ist, habe ich – nach einem Jahrzehnt als Hochzeits- und Eventfotografin – in Gärten endlich genug Ruhe und Raum zum Nachdenken, um Bilder zu schaffen, auf die ich wirklich stolz bin. Wenn sich allerdings das Licht schnell verändert und die Sonne untergeht, kann es überraschend hektisch werden – gerade genug, um mich auf Trab zu halten!
Beth Chatto’s Plants & Gardens. Foto: Julie Skelton
Für Gartenfotos sind die goldenen Stunden besonders wichtig. Geh zum Sonnenaufgang nach draußen – meine liebste Tageszeit – oder fotografiere bei Sonnenuntergang, wenn die tief stehende Sonne Strukturen und Formen der Pflanzen hervorhebt. Grüntöne wirken dann tiefer und abwechslungsreicher, Blütenfarben kräftiger, weil sie nicht von der Mittagssonne ausgebleicht werden. Vor allem Rot- und Gelbtöne sind bei starkem Sonnenlicht schwer einzufangen und verlieren oft ihre Details, weil sie den Dynamikumfang der Kamera übersteigen.
Wenn du bei wenig Licht mit einer DSLR fotografierst, brauchst du ein Stativ, um Verwacklungen zu vermeiden. Idealerweise ist es außerdem möglichst windstill. Bei einer Handykamera empfehle ich den Selbstauslöser für ein ruhigeres Bild: Stell den Countdown ein, leg die Ellbogen eng an den Körper, stell beide Füße fest auf den Boden und halte kurz die Luft an!
Privatgarten. Foto: Julie Skelton
National Garden Scheme, Stuart Cottage. Foto: Julie Skelton
Foto: Julie Skelton
Eine weitere häufig genutzte Gestaltungsregel in der Fotografie ist die Drittelregel, eine vereinfachte Form des „goldenen Schnitts“. Dabei handelt es sich um ein mathematisches Verhältnis, das häufig in Natur und Kunst vorkommt und als besonders harmonisch und ausgewogen gilt. Architekt:innen und Künstler:innen nutzen dieses Prinzip seit Jahrhunderten für eine wirkungsvolle Bildgestaltung. Stell dir ein Drei-gewinnt-Raster über deinem Bild vor und platziere wichtige Motive möglichst entlang der Linien oder an ihren Schnittpunkten.
Mein Mann tut sich mit kreativen Dingen schwer, hat aber ein gutes Gespür für mathematische Logik. Er sagt, dass ihm dieser eine Fototipp am meisten geholfen hat. Auf deinem Smartphone oder deiner Kamera kannst du in der Regel ein Raster einblenden – probier es aus, wenn es dir hilft. Aber spiel ruhig auch mit der Bildgestaltung und brich die Regeln. Manchmal ist genau das die richtige Entscheidung.
Foto: Julie Skelton
Wenn du ein Motiv gefunden hast, beweg dich ein wenig: Geh ein paar Zentimeter nach links oder rechts, duck dich, lehn dich vor – und behalte dabei immer den Bildausschnitt im Blick. Schon kleine Veränderungen können die Komposition verbessern und eine zusätzliche interessante Ebene ins Bild bringen. Ein gut gestalteter Garten funktioniert aus vielen Blickwinkeln – das hat der Gartenplaner meist bewusst berücksichtigt. Fotografiere nicht nur auf Augenhöhe. Geh in die Hocke, knie dich hin oder setz dich, um richtig in die Bepflanzung einzutauchen. Das funktioniert besonders gut bei niedrigen Pflanzen wie Galanthus (Schneeglöckchen).
Wenn dir das Bücken schwerfällt, ist eine Kamera mit ausklappbarem Bildschirm ideal. Hältst du die Kamera unterhalb der Augenhöhe, siehst du trotzdem genau, was du aufnimmst. Und wenn du die Möglichkeit hast, einen Garten von oben zu fotografieren, nutze sie, um die Struktur von Beeten und Wegen zu zeigen.
Nationales Gartenbauprogramm, Chilworth Manor. Foto: Julie Skelton
National Garden Scheme, Stuart Cottage. Foto: Julie Skelton
Eine meiner liebsten Techniken ist es, durch andere Pflanzen hindurch zu fotografieren. Blätter oder Blüten im Vordergrund schaffen eine zusätzliche Ebene, rahmen das Motiv ein und vermitteln ein besseres Gefühl für den Ort. So entsteht der Eindruck, mitten im Garten zu stehen. Am besten funktioniert das mit einer längeren Brennweite oder der Zoomfunktion deines Smartphones. Dadurch verschwimmen die umgebenden Details sanft und der Blick wird auf das eigentliche Motiv gelenkt.
Wer deine Bilder betrachtet, soll das Gefühl haben, gemeinsam mit dir durch den Garten gegangen zu sein. Selbst wenn du am liebsten Nahaufnahmen von Blüten machst, solltest du deshalb auch den ganzen Garten und kleinere Pflanzengruppen fotografieren. So wird sichtbar, wie verschiedene Pflanzen miteinander wirken.
National Garden Scheme, St Timothee. Foto: Julie Skelton
Experimentiere mit verschiedenen Lichtrichtungen: Gegenlicht, Seitenlicht oder direktes Licht. Gegenlicht ist mein Favorit, weil das Sonnenlicht die Details der Pflanzen zum Leuchten bringt. Achte dabei auf unerwünschte Schatten und darauf, nicht versehentlich selbst im Bild zu erscheinen – außer du möchtest das bewusst. Denk immer daran: Das Auge wandert automatisch zum hellsten Bereich eines Fotos. Vermeide also ablenkende, sehr helle Flächen, die vom eigentlichen Motiv ablenken könnten.
RHS-Schaugarten von Kazuyuki Ishihara. Foto: Julie Skelton
Nationales Gartenbauprogramm, Chilworth Manor. Foto: Julie Skelton
Es gibt einige Techniken, die ich besonders mag, weil sie den Blick länger auf einem Gartenfoto verweilen lassen. S-förmige Wege gehören dazu: Sie führen durch das Bild und lassen uns gedanklich durch den Garten spazieren. Auch offene Tore, Türen und Fenster wirken einladend und wecken die Neugier darauf, was sich dahinter verbergen könnte. Entscheidend ist, den Blick durch das Foto zu führen, statt alles auf den ersten Blick preiszugeben.
Wenn du wie ich gerne Makroaufnahmen machst, kann es schwieriger sein, eine weite Ansicht genauso interessant wirken zu lassen wie den Garten vor Ort. Solche Gestaltungsmittel helfen dabei, auch größeren Landschaftsaufnahmen mehr Tiefe zu verleihen.
Bei Pflanzen ist es für mich besonders wichtig, die Farben naturgetreu wiederzugeben. Bei meiner DSLR achte ich darauf, dass der gewählte Weißabgleich die Farbtemperatur so wiedergibt, wie ich sie vor Ort wahrnehme. Auf dem Smartphone lassen sich Farbtemperatur und Farbton mit einfachen Anpassungen korrigieren.
Auch bei der Bearbeitung achte ich darauf, dass die tatsächliche Farbe einer Pflanze nicht verfälscht wird. Ob für Gartenbücher, Kalender, Pflanzenetiketten oder Zeitschriften: Menschen wählen möglicherweise Pflanzen für ihren eigenen Garten anhand deiner Bilder aus. Deshalb ist eine naturgetreue Darstellung so wichtig. Vielleicht weißt du schon, dass Violett für Kameras eine schwierige Farbe ist und schnell zu sehr ins Blaue oder Rote kippt. Bei Violetttönen solltest du deshalb besonders genau hinsehen.
Beth Chatto’s Plants & Gardens. Foto: Julie Skelton
Bei horizontalen und vertikalen Linien lohnt es sich, bewusst auf die Ausrichtung zu achten. Ein Teich zum Beispiel sollte gerade erscheinen – wäre er nicht eben, wäre er schließlich ein Wasserfall. Bei hohen Bäumen hingegen können stürzende Linien mit einem Weitwinkelobjektiv ihre Höhe besonders eindrucksvoll wirken lassen.
Privatgarten. Foto: Julie Skelton
Arundel Castle. Foto: Julie Skelton
Foto: Julie Skelton
Der Winter eignet sich oft besonders gut für Gartenfotografie: Sonnenauf- und -untergang fallen näher an die Öffnungszeiten öffentlicher Parks, und du kannst das beste Licht nutzen. Ich liebe den Herbst und den Winter – Samenstände, Gräser und filigrane Blattstrukturen erzählen vom natürlichen Kreislauf und vom Neubeginn der kommenden Saison. Halte Ausschau nach offenen Gärten, speziellen Foto-Vormittagen oder verlängerten Öffnungszeiten.
In Großbritannien sind das National Garden Scheme und das Scotland’s Garden Scheme großartige Anlaufstellen mit einer enormen Vielfalt an Gärten. Fotografiere Pflanzenetiketten und beschrifte deine Bilder sorgfältig, damit alles korrekt bleibt. Plane mit der Wettervorhersage, aber sei flexibel. Regen lohnt sich oft mehr als gedacht – nach einem Schauer ist das Licht häufig besonders schön, und die Pflanzen wirken frisch und lebendig.
Es kommt nicht auf die Ausrüstung an, sondern auf deine Verbindung zum Garten. Ich bin überzeugt, dass ein großartiges Foto entsteht, wenn jemand wirklich einen Bezug zu einem Ort hat. Entscheidend ist, was du vermitteln möchtest und wie du den Garten aus deiner ganz eigenen Perspektive siehst. Ich fotografiere sehr gerne mit dem Smartphone und nehme in meiner Freizeit nur mein iPhone mit. Dafür habe ich mir einen Kameragriff mit Auslöser gekauft. So fühlt sich das Smartphone eher wie eine Kamera an und ich kann die Einstellungen leichter bedienen. Smartphones können inzwischen unglaublich viel. Es lohnt sich, ihre Funktionen kennenzulernen – und dann heißt es: üben, üben, üben.

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