Leitfaden

Erinnerungen schaffen: Auf dem geschäftigen Fischmarkt von Karnataka

Farben, Trubel und Frauen, die den Takt vorgeben: Fotografieren auf dem Fischmarkt von Malpe bei Sonnenaufgang an Indiens Küste

Issy Croker

3. Juli 20265 min

Erinnerungen schaffen: Auf dem geschäftigen Fischmarkt von Karnataka
Erinnerungen schaffen: Auf dem geschäftigen Fischmarkt von Karnataka

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – so läuft es auf dem Fischmarkt von Malpe. Von großen Fischerbooten mit mehr als 20 Männern an Bord bis hin zu kleinen, wackeligen Booten wird um jeden freien Meter an der Kaikante gerungen. Händler:innen drängen sich um die besten Plätze, während die Fischer ihren nächtlichen Fang entladen. Zahlreiche Einheimische strömen durch improvisierte Gänge, während sich die Kisten mit dem Fang des Tages zu bedenklichen Höhen stapeln. Malpe, eine traditionsreiche Fischerstadt an der ruhigen Küste des indischen Bundesstaates Karnataka, bietet einen lebendigen und unverfälschten Einblick in einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region. Das verwirrende Stimmengewirr der Verkäufer:innen, die ihre Preise ausriefen, die kaum überschaubare Vielfalt an Fischen und das organisierte Chaos der ständig ein- und auslaufenden Boote sorgten für eine intensive Stunde hinter der Kamera.

Fotogrößen kombinieren

Während ich mich durch die vielen schmalen Gänge schlängelte und versuchte, niemandem im Weg zu stehen oder mich mit der Menge zu bewegen, war die Farbenpracht in jeder Ecke des Marktes kaum zu übersehen. Kisten und Netze für Fisch und Beifang waren nach Farben sortiert und bedeckten fast jeden Quadratmeter der Stege. Die Frauen, die den Fisch verarbeiteten und kiloweise verkauften, trugen leuchtende Saris mit kunstvollen Mustern und vielen Details. Schon bald richtete sich meine Aufmerksamkeit auf diese beeindruckenden Frauen, die mit ihrem unverwechselbaren Stil den Takt des Marktes vorgaben. Sie hielten alles in Bewegung, und meine Kamera folgte ihrer Ruhe und ihrem geschäftigen Treiben, während sie mitten im morgendlichen Andrang handelten, Fische entgräteten, transportierten, verpackten und filetierten – in ihren makellosen Saris.

Die Reise fotografisch festhalten

Freundlichkeit und eine spürbare Leichtigkeit prägten die Begegnungen mit Fischer:innen, Händler:innen und Kund:innen. Viele schlugen selbst Posen oder Orte für Fotos vor. Für kurze Zeit dabei zu helfen, die riesigen Netze auf dem Kai zusammenzulegen, war ein kleiner Preis für eine so außergewöhnliche Stunde, in der ich den Hafen erkunden und die Menschen kennenlernen durfte, die ihn so besonders machen. Ein Ort wie dieser kann zunächst einschüchternd wirken, wenn man mit der Kamera unterwegs ist und seine Atmosphäre einfangen möchte. Wer bereit ist, sich selbstbewusst ins Geschehen zu begeben, den Menschen vor Ort offen und respektvoll zu begegnen und gleichzeitig schnell genug zu reagieren, um den richtigen Moment festzuhalten, ohne im Weg zu stehen, hat beste Chancen auf Bilder, die bleiben.

Fotos anordnen

Wie viele Märkte weltweit beginnt auch der Fischmarkt von Malpe seinen Tag sehr früh. Die meisten Boote laufen noch in der Dunkelheit ein und entladen ihren Fang vor Sonnenaufgang. Wer bei Tagesanbruch vor Ort ist, erlebt den Markt von seiner lebendigsten Seite. Die ersten Geschäfte werden abgeschlossen, sobald die ersten Fische am Hauptpier angelandet sind. Gleichzeitig entgehst du der drückenden Hitze, die sich schon am Vormittag über die Stadt legt, Käufer:innen und Verkäufer:innen ausbremst und das Licht deutlich härter werden lässt. Stell dir also den Wecker und sei da, bevor der größte Trubel beginnt. Ich fotografierte mit einer leichten spiegellosen Kamera und einem 50-mm-Festbrennweitenobjektiv. Unter diesen schnellen und unvorhersehbaren Bedingungen lässt sich mit einer leichten, unkomplizierten Ausrüstung deutlich entspannter fotografieren.

Cover auswählen und Seiten anordnen

Aus einer Reise wird ein Fotobuch von Popsa

Nach einer Stunde voller Eindrücke und intensivem Fotografieren war ich erschöpft und machte mich auf die Suche nach einem Frühstück in einem der vielen Restaurants am Hafen. Orte wie diese – voller Kultur und kreativer Möglichkeiten – hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Die Herzlichkeit und der Fleiß der Menschen in Malpe machten diesen Besuch unvergesslich. Bis heute bin ich ihnen dankbar für ihre Offenheit und dafür, dass sie mir erlaubt haben, einen kleinen Einblick in ihren Alltag festzuhalten.

Vom Entwurf zum fertigen Produkt

Erst später, als ich die Bilder für ein Fotobuch von Popsa zusammenstellte, konnte ich das Erlebte wirklich auf mich wirken lassen. Was sich vor Ort schnell und chaotisch angefühlt hatte, wirkte auf den Seiten plötzlich viel ruhiger und bewusster. Die Farben, die wiederkehrenden Bewegungen und die kleinen Begegnungen zwischen Händler:innen und Kund:innen, die im Moment leicht übersehen werden, traten nun deutlich hervor. Durch die Reihenfolge der Bilder, die sorgfältige Gestaltung des Layouts und das Zusammenspiel einzelner Momente wurden flüchtige Begegnungen zu etwas Greifbarem und Bleibendem.

Wenn du einmal an der Küste Karnatakas unterwegs bist, solltest du dir dieses besondere tägliche Schauspiel nicht entgehen lassen. Stell dir den Wecker, nimm deine Kamera mit und erlebe es selbst.

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