Gibt es ein bestimmtes Gebäck, das für dich besonders viele Erinnerungen trägt?
Madeleines. Frisch gebacken – am besten direkt aus dem Ofen, noch warm.
Schon als Kind bin ich unglaublich gern essen gegangen, meine Eltern haben sich oft darüber amüsiert. Deshalb fühlte es sich nur logisch an, später einen Beruf zu wählen, der genau das einschließt. Als ich Anfang zwanzig mit meinen Großeltern die gehobene Gastronomie für mich entdeckte, war ich fasziniert von all den kleinen „Extras“: vielleicht ein Amuse-Bouche zum Auftakt, ein eigener Brotgang, ein Gaumenreiniger als Zwischengang – und dann, das Beste zum Schluss, die Petit Fours. Diese kleinen, mundgerechten Köstlichkeiten oder Törtchen machten ein Essen besonders. Unvergesslich. Ein Tablett frisch gebackener Madeleines bildet oft den krönenden Abschluss eines Desserts. Weich, warm, süß – aber nicht zu süß –, tröstlich und voller Nostalgie. Und vor allem sind sie so unkompliziert, dass selbst Backanfänger:innen sie zu Hause problemlos hinbekommen.
Die Französinnen und Franzosen verstehen es, sich selbst kleine Genüsse zu gönnen. Vielleicht ist deshalb das Ritual des „le goûter“ so fest verankert – eine Pause am Nachmittag, um etwas Süßes zu essen, oft etwas Gebackenes. Madeleines gehören zu den zugänglichsten und zugleich köstlichsten Gebäcken, die man zu Hause genießen kann. Wenn ich Freund:innen zum Mittagessen einlade, bereite ich den Teig oft schon vorher zu, stelle ihn kalt und schiebe am Ende des Essens ein Blech in den Ofen, damit wir sie frisch und noch warm zum Kaffee essen können. Ich glaube sehr an diese französische Art, sich täglich – in Maßen – etwas Gutes zu tun. Eine perfekt luftige kleine Madeleine ist dafür der ideale Weg.
Inzwischen stehen Madeleines auch in vielen Londoner Restaurants auf der Karte, entweder als eigenes Dessert oder als Teil der Petit Fours. Besonders beliebt ist die Variante im St John – viele kommen allein deshalb ins Restaurant. Man findet sie mit Schokolade, Nüssen oder Früchten aromatisiert. Ich bevorzuge jedoch die puristische Version, mit einem Hauch Vanille, Nussbutter oder Honig.