Fotografie

Triff die Expertin: Hol dir Insider-Tipps zur Tierfotografie von Bella Falk

Von Vorbereitung und Planung bis zu Kameraeinstellungen und Ethik – so holst du das Beste aus deinen Naturfotos heraus

Laura Havlin

Laura Havlin

Fotografie-Autorin

10. Sep. 20259 min

Two small crabs with raised claws stand on a sandy beach near the water's edge, surrounded by small bits of debris.
Two small crabs with raised claws stand on a sandy beach near the water's edge, surrounded by small bits of debris.

Die Reise- und Tierfotografin Bella Falk hat ihre Arbeiten und Texte in einigen der renommiertesten Publikationen der Welt veröffentlicht, darunter National Geographic Traveller, BBC Travel, Lonely Planet und The Telegraph. Außerdem betreibt sie den erfolgreichen Blog „Passport & Pixels“.

„Wenn man einfach hingeht, drauflosknipst und auf das Beste hofft, kann man zwar ein paar gute Bilder machen. Es ist aber auch sehr hilfreich, sich vorher vorzustellen, welche Motive man fotografieren möchte, und dann nach entsprechenden Situationen Ausschau zu halten“, sagt sie. Es ist außerdem hilfreich, von jemandem zu hören, der so viel Erfahrung in der Tierfotografie hat.

A monkey sits on a branch holding a bright orange fruit, surrounded by green leaves and thorns.

Foto: Bella Falk

Wie bist du zur Tier- und Naturfotografie gekommen?

Ich habe die Fotografie schon als Kind geliebt. In der Schule war ich in der Dunkelkammer-AG, habe eine Lochkamera gebaut und mit Film fotografiert – lange bevor Digitalkameras verbreitet waren. Zu meinem 19. Geburtstag schenkte mir meine Mutter eine Canon EOS 300. Obwohl ich zunächst unsicher war, brachte ich mir alles selbst bei: Während meines Semesters in Granada fotografierte ich zahlreiche Filmrollen und notierte mir sorgfältig die jeweiligen Einstellungen.

Zunächst war Fotografie nur ein Hobby. Später arbeitete ich als TV-Produzentin bei Lonely Planet und erwähnte, dass ich auch schreibe und fotografiere. Meine Chefin wollte Beispiele sehen – also gründete ich meinen Blog „Passport & Pixels“. Ich lernte SEO, gewann Preise und begann, meine Arbeiten an verschiedene Publikationen zu verkaufen. Mit der Zeit wurde aus dem Nebenprojekt mein Hauptberuf.

Person with curly hair photographing a wild dog from a safari vehicle in a grassy landscape.

Was hat dein Interesse an der Tierfotografie geweckt?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe bei Spaziergängen mit meiner Familie oft Füchse und Dachse beobachtet. Die Natur hat mich schon immer fasziniert. Ich bin kein Stadtmensch – mich zieht es an abgelegene Orte, an denen ich mit meiner Kamera unterwegs sein kann. Reisen wie die Galápagos-Inseln oder meine erste Safari im Krüger-Nationalpark haben meine Leidenschaft endgültig entfacht.

Parallel zu meiner Arbeit im Fernsehen habe ich weiter fotografiert, Kontakte geknüpft und meine Bilder aktiv angeboten. Mit dem Wachstum meines Blogs verlagerte sich mein Fokus zunehmend auf Tierfotografie und Schreiben.

A vibrant yellow weaver bird hangs upside down from a branch, near a woven nest in a tree, surrounded by green foliage.

Foto: Bella Falk

Was ist deiner Meinung nach der Schlüssel, um besondere Momente und „Emotionen“ der Tiere einzufangen?

Geduld und Wissen sind entscheidend. Viele Profis verbringen Wochen in Verstecken oder kehren über Jahre hinweg an dieselben Orte zurück, um die Tiere wirklich kennenzulernen. Da ich in London lebe, arbeite ich auf Reisen oft mit lokalen Guides zusammen. Sie wissen, wo sich Tiere aufhalten und wie sie sich verhalten. Vor Ort heißt es dann: ruhig bleiben, beobachten und den Tieren Zeit geben. Erst dann entstehen authentische Momente.

A person stands on a water tanker observing an elephant drinking from a round trough in a dry, arid landscape under a blue sky.

Foto: Bella Falk

Gibt es ein Foto mit einer besonderen Geschichte?

Ich war während der Trockenzeit auf Safari im Tsavo-Nationalpark in Kenia. Eines Morgens sah ich, wie der Fahrer auf seinem Tankwagen stand und den Wasserhahn öffnete, um eine Wasserstelle aufzufüllen. Noch während das Wasser lief, näherte sich ein Elefant zum Trinken.Ich fotografierte den Moment, in dem der Mann den Elefanten beobachtete, während das Wasser hörbar dessen Kehle herunterlief. Dieses Bild wurde später für die Wildlife Photographer of the Year Awards nominiert – und gehört bis heute zu meinen eindrucksvollsten Aufnahmen.

Foto: Bella Falk

Close-up of a wet buffalo standing in the rain, with large curved horns and a grassy background.

Foto: Bella Falk

Mit welchen Herausforderungen wirst du oft konfrontiert und wie gehst du mit ihnen um?

Das Wetter ist eine der größten Herausforderungen. Staub kann die Ausrüstung beschädigen, Regen erschwert die Sicht und macht Tiere schwerer auffindbar. Bei einer Gorilla-Wanderung in Uganda geriet ich einmal in einen heftigen, sintflutartigen Regensturm. Meine Ausrüstung wurde doppelt verpackt und von einem Träger transportiert, damit ich mich aufs Gehen konzentrieren konnte. Als der Regen genau in dem Moment aufhörte, als wir die Gorillas fanden, entstanden durch die Wassertropfen in ihrem Fell außergewöhnliche Bilder.

Ich habe gelernt, die Bedingungen nicht nur zu akzeptieren, sondern kreativ zu nutzen: Staub erzeugt dramatische Lichtstimmungen, Regen sorgt für satte Farben und besondere Atmosphäre. Auch das Gewicht der Ausrüstung ist ein Thema, besonders bei Flugbeschränkungen oder langen Wanderungen. Man muss genau überlegen, welche Ausrüstung wirklich notwendig ist.

A small bird with brown and white feathers takes flight from a branch, wings extended against a soft, blurred background.

Foto: Bella Falk

A vibrant kingfisher with blue and orange plumage perches on a reed, holding a small fish in its beak against a blurred green background.

Foto: Bella Falk

Welche Ausrüstung ist für dich unverzichtbar und was würdest du Anfängern empfehlen?

Ich arbeite mit zwei spiegellosen Kameras, um in entscheidenden Momenten nicht die Objektive wechseln zu müssen: einer Canon R5 mit 100–500-mm-Zoom für Nahaufnahmen und einer R6 Mark II mit 24–70 mm für weitere Perspektiven.Besonders hilfreich sind für mich der klappbare Bildschirm und der Autofokus für Tieraugen.

Für Einsteiger reicht eine gute spiegellose Kamera oder DSLR mit manuellen Einstellmöglichkeiten und einem soliden Zoomobjektiv völlig aus. Mit Einsteiger-DSLRs kannst du die Blende für eine geringe Schärfentiefe einstellen und die Verschlusszeit nutzen, um Bewegungen einzufrieren. Smartphones werden zwar immer besser, bieten aber noch nicht dieselbe kreative Kontrolle.

Silhouette of an antelope standing on a grassy plain against a dramatic sunset sky with dark clouds.

Foto: Bella Falk

Benutzt du Fernauslöser oder geräuschlose Verschlüsse, um Wildtiere nicht zu stören?

Einen Fernauslöser verwende ich hauptsächlich für Langzeitbelichtungen oder Selbstporträts. Leise Auslöser können sinnvoll sein, um Tiere nicht zu erschrecken. Trotzdem lasse ich das Auslösegeräusch oft aktiviert – so behalte ich besser die Kontrolle und vermeide unbewusstes Serienfotografieren. Nur wenn absolute Stille nötig ist, schalte ich es aus.

Seal resting on a snow-covered iceberg, surrounded by icy blue water and a backdrop of ice formations.

Foto: Bella Falk

Wie bereitest du dich auf Shootings vor?

Bei bekannten Reisezielen verlasse ich mich auf meine Guides. Bei neuen Orten, wie etwa meiner ersten Arktisreise, recherchiere ich intensiv: Ich schaue mir Arbeiten anderer Fotografen an, analysiere Wettbewerbe und lasse mich auch von sozialen Medien inspirieren. Wenn du dir im Voraus konkrete Bildideen setzt, kannst du vor Ort gezielter arbeiten – und weißt besser, welches Objektiv, welche Perspektive und welcher Zeitpunkt sinnvoll sind.

Lions and cubs drink water at night, their reflections visible on the surface, against a dark background.

Foto: Bella Falk

A person in a safari vehicle photographs an elephant walking across a grassy plain under a partly cloudy sky.

Foto: Bella Falk

Welche ethischen Grundsätze sind dir wichtig?

Ethik spielt eine zentrale Rolle. Ich arbeite ausschließlich mit seriösen Guides und halte mich strikt an Regeln: Abstand halten, Tiere nicht stören oder füttern, keine Drohnen einsetzen und keine ausbeuterischen Angebote unterstützen. Ich informiere mich auch gezielt darüber, wie Unterkünfte mit Tieren umgehen, und vermeide Aktivitäten wie Elefantenreiten oder Fotos mit Wildtieren in Gefangenschaft. Indem wir kritische Fragen stellen und bewusst Entscheidungen treffen, können wir höhere Standards fördern und unsere Auswirkungen auf die Tierwelt minimieren.

A mother rhinoceros and her calf graze on green grass in a grassy landscape, with a blurred background of trees and hills.

Foto: Bella Falk

A herd of deer with antlers stand in a grassy field, surrounded by trees and a distant lake under a clear blue sky.

Foto: Bella Falk

Welche Tipps hast du für Einsteiger?

Wenn du manuell fotografierst, öffne die Blende weit, um eine schöne Hintergrundunschärfe zu erzielen, und fokussiere immer auf die Augen des Tieres – sie ziehen den Blick sofort an.

Nutze die Drittelregel für deine Komposition und versuche, möglichst auf Augenhöhe mit dem Tier zu fotografieren – ohne dich dabei in Gefahr zu bringen.Und ganz wichtig: Du musst nicht immer maximal heranzoomen. Oft erzählen Bilder mehr, wenn sie auch die Umgebung oder das Verhalten des Tieres einbeziehen. Ein etwas weiterer Bildausschnitt kann deutlich spannender sein als eine extreme Nahaufnahme.

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