Fotografie
Wie du Familienfotos im Dokumentarstil macht
Fange die Realität und die Energie des Familienlebens mit unseren Expertentipps ein
Karina Lax
Fotografin
3. Sep. 2025∙15 min


Fotografie
Fange die Realität und die Energie des Familienlebens mit unseren Expertentipps ein
Karina Lax
Fotografin
3. Sep. 2025∙15 min


Du möchtest bessere Familienfotos machen, dabei aber authentisch bleiben? Keine gestellten Posen, kein künstliches Lächeln, sondern ehrliche, dokumentarische Aufnahmen voller Leben? Diese Art der Fotografie erzählt oft spannendere Geschichten als ein starres Studiobild – und kann uns schon nach wenigen Jahren nostalgisch an die vergangene Zeit zurückdenken lässt.
Professionelle Fotograf:innen scheinen hingegen immer den perfekten Moment zu erwischen – ihre Bilder wirken lebendig und echt. Aber wie machen sie das? Die preisgekrönte Fotografin Karina Lax aus Sheffield, deren Arbeiten landesweit ausgestellt wurden, verrät einige ihrer Geheimnisse. Ihre Fotografie verbindet dokumentarische Ansätze mit einem konzeptionellen, redaktionellen Stil und konzentriert sich besonders auf zwischenmenschliche Beziehungen. Hier teilt sie ihre Tipps.
Der erste Schritt zu starken Bildern im Dokumentarstil ist, die Begriffe zu verstehen, die in der Fotografie häufig verwendet werden. Ist Dokumentarfotografie dasselbe wie Schnappschussfotografie? Und wie unterscheidet sie sich von der Reportagefotografie? Diese Begriffe werden oft synonym benutzt, unterscheiden sich aber deutlich voneinander – und genau dieses Wissen kann deine Bilder spürbar verbessern. Hier findest du Tipps, wie du verschiedene dokumentarische Ansätze in deine alltäglichen Familienfotos integrieren kannst.
Foto: Karina Lax
Schnappschüsse halten Momente fest, die spontan und ungeplant wirken. Die Bilder sind uninszeniert, dürfen unperfekt sein, und die fotografierten Personen sind sich der Kamera manchmal bewusst – manchmal auch nicht.
Interessanterweise sind viele gute Schnappschüsse stärker geplant, als sie zunächst erscheinen. Um überzeugende Aufnahmen zu machen, solltest du die Handlung vorausahnen und dir einen guten Blickwinkel suchen, ohne die Szene zu stören.
Fotografiere in kurzen Serien, um flüchtige Momente einzufangen. Tippe auf dem Smartphone mehrfach hintereinander auf den Auslöser – idealerweise mit dem Zeigefinger statt mit dem Daumen. Mit einer DSLR oder einer spiegellosen Kamera nutzt du am besten den Serienbildmodus und hältst den Auslöser gedrückt.
Foto: Karina Lax
Fotojournalist:innen sind für ihre Reportagefotografie bekannt, die oft mit Dokumentarfotografie verwechselt wird. Reportagen folgen jedoch strengeren Regeln: Sie halten Ereignisse möglichst unbeeinflusst fest, mit minimalen Eingriffen und einer sehr zurückhaltenden Bildbearbeitung. Die Kamera bleibt im Hintergrund, während die Geschichte über eine Bildserie erzählt wird.
Es gibt einige klassische Konventionen, die du dir abschauen kannst: Fotografiere im Querformat, wähle einen weiteren Bildausschnitt, um Handlung und Umgebung einzubeziehen, und vermeide direkten Blickkontakt mit der Kamera (die „vierte Wand“). Diese Techniken verleihen deinen Familienfotos sofort einen dokumentarischen Charakter.
Foto: Karina Lax
Solange du das echte Leben darstellst, bleibt es Dokumentarfotografie – auch wenn du Regeln bewusst lockerst. Der Begriff hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und Elemente anderer Genres aufgenommen. Das eröffnet gerade für die Familienfotografie viele kreative Möglichkeiten. Mehr Freiheit bedeutet mehr Planung und manchmal auch Regie. Szenen dürfen wiederholt werden, solange die Geschichte ehrlich bleibt und keine Emotionen oder Situationen vorgetäuscht werden.
Gerade bei Familien ist das hilfreich: Wenn ein wichtiger Moment verpasst wurde oder sich das Fotografieren gerade falsch anfühlt, kannst du ihn später nachstellen. Ich habe zum Beispiel ein Bild vom letzten Tag meines Sohnes in der Grundschule gemacht – allerdings nicht an diesem Tag selbst. Stattdessen haben wir die Szene später nachgestellt: gleicher Ort, gleiche Kleidung, gleiche Tageszeit. Die Bilder sind Teil meiner Serie "School’s Out ! The Primary Years", die du auf meiner Webseite finden kannst. So konnte ich als Mutter präsent sein und später gemeinsam mit ihm eine emotionale Bildserie entwickeln. Diese Herangehensweise ist meine erste Wahl für Familienfotos.
Foto: Karina Lax
Beobachte, wie das Licht zu verschiedenen Tageszeiten durch deine Räume fällt. Wenn dir ein bestimmtes Licht besonders gefällt, merk dir den Ort. Wenn beim nächsten Mal Stimmung und Situation passen, bist du vorbereitet.
Auf diesem Foto waren die Jungs nach ihrer ersten Übernachtung ohne Eltern entspannt in ihrem Baumhaus. Ich wusste, dass das Licht dort am frühen Morgen wunderschön ist, also hatte ich meine Kamera bereit und machte nach einem kurzen Gespräch ein paar ruhige, natürliche Aufnahmen.
Ein einfacher Grundsatz für Innenräume: Stell dich mit dem Rücken zur Lichtquelle oder zum Fenster. So wird dein Motiv gleichmäßig und weich beleuchtet.
Foto: Karina Lax
Meine Kinder haben es geliebt, abends in meinem Schlafzimmer zu spielen. Nachts waren die Lichtverhältnisse dort allerdings schwierig, die Bilder unscharf, und Unordnung schränkte die Blickwinkel ein. Also habe ich ein Shooting am Tag geplant: besseres Licht, ein aufgeräumter Raum – und trotzdem echtes Spiel. Das Ergebnis war eines meiner Lieblingsbilder.
In einem übersichtlichen Raum kannst du mit Perspektiven spielen: Fotografiere von oben, von unten, aus einer Ecke oder auf Augenhöhe. Kleine Veränderungen im Blickwinkel können eine Szene komplett verändern.
Foto: Karina Lax
DSLRs, spiegellose oder analoge Kameras bieten zwar Vorteile, aber die beste Kamera ist immer die, die du gerade dabei hast. Das kann dein Smartphone sein oder eine Kamera, die du bewusst griffbereit hältst.
Im Familienurlaub fotografiere ich oft analog, um langsamer zu werden. Als mir einmal der Film ausging, habe ich kurzerhand mein Smartphone genutzt – im RAW-Modus, bewusst und mit derselben Ruhe wie beim Fotografieren mit Film. Der Moment war zu schön, um ihn zu verpassen.
Smartphones liefern die beste Qualität bei gutem Licht. Fotografiere in Fensternähe, in hellen Räumen oder draußen, um das Maximum herauszuholen.
Foto: Karina Lax
Achte auf Texturen, Farben, Muster und Formen. In diesem Bild verstärken Creme-, Beige-, Gelb- und Grautöne die ruhige Stimmung und bilden einen sanften Kontrast zu den rosigen Wangen der Kinder. Zusammen mit Nähe, Bildausschnitt und Textur entsteht ein harmonisches, emotionales Bild.
Foto: Karina Lax
Wenn du mit deinen Motiven interagierst, helfen übertriebene Gesichtsausdrücke oder albernes Verhalten hinter der Kamera, um eine entspannte Stimmung zu schaffen. Wenn ich selbst alberner bin als mein Motiv, fühlt sich mein Gegenüber meist sicherer und spielt automatisch mit.
Auch ich stehe nicht gern vor der Kamera. Wenn ich mich selbst ins Bild einbaue, nutze ich Humor und halte mich eher im Hintergrund. Wer sitzt wohl im riesigen Tiger-Onesie hinter dem Sofa? Das Bild entstand mit Selbstauslöser und etwas Improvisation – probier das ruhig auch einmal aus.
Foto: Karina Lax
Manche Momente lassen sich nicht in einem einzigen Bild erzählen. Halte die Handlung in Sequenzen fest und versuche, über mehrere ähnliche Bilder hinweg eine Stimmung einzufangen.
Diese Bildfolgen eignen sich hervorragend für Fotobücher oder Alben. Drei bis neun Bilder pro Seite funktionieren besonders gut, größere Serien für Doppelseiten. Auch als Raster oder Reihe an der Wand entfalten sie ihre Wirkung.
Foto: Karina Lax
Eine klassische Erzählstruktur hilft dir, Bildserien zu planen – ideal für Ausflüge oder Urlaube.
Beginne mit einer Totale: dein Haus, deine Umgebung oder die Landschaft. Geh dann näher heran, fotografiere die Menschen, Details, Gesten und kleine Ausschnitte. Beende die Serie wieder mit einer Aufnahme aus der Distanz, vielleicht von hinten. So entsteht eine runde, ausgewogene Geschichte.
Foto: Karina Lax
Wenn wir an geliebte Menschen denken, erinnern wir uns oft an Details: kleine Hände, ein Schmuckstück, eine handgeschriebene Notiz. Versuche, das Wesen einer Person über solche Details einzufangen.Nutze Nahaufnahmen oder Makroeinstellungen, fotografiere bei natürlichem Licht und setze den Fokus gezielt. Ein unscharfer Hintergrund lenkt den Blick dorthin, wo er sein soll. Diese Bilder tragen besonders viel Emotion in sich – und werden dich noch viele Jahre begleiten.
Foto: Karina Lax

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