Reisen

21 Fotos: Die atemberaubende Schönheit Ruandas

Noch immer von vielen Reisenden missverstanden, offenbart Ruanda vulkanische Landschaften, lebendiges Dorfleben und das seltene Privileg, Berggorillas in freier Wildbahn zu fotografieren

Smiling dark-haired man in a black suit and open-collar white shirt, head-and-shoulders portrait on a dark background.

19 Feb, 20268 min

A gorilla stands among lush green foliage, gazing upwards with a thoughtful expression.
A gorilla stands among lush green foliage, gazing upwards with a thoughtful expression.

Journalist und Reiseschriftsteller Luke Abrahams ist seit Jahren auf der Jagd nach Geschichten – quer durch die Kontinente. Doch es sind die stillen Winkel der Welt, die ihn stets zurückkehren lassen.

Ruanda wird häufig missverstanden. Der Schatten des Genozids von 1994 liegt noch immer über dem Land und viele Reisende fragen sich: „Ist es sicher?“ Die kurze Antwort: ja. Das Weltwirtschaftsforum stufte Ruanda dank niedriger Kriminalitätsraten und politischer Stabilität als das neuntsicherste Land der Welt ein. Die Hauptstadt Kigali, ein Symbol nationalen Stolzes, gilt zudem oft als „sauberste Stadt“ des afrikanischen Kontinents. Doch es geht um mehr als Politik und Wahrnehmung. Mit seinen zerklüfteten Hügeln, tiefen Tälern und vulkanischen Hochebenen zählt Ruanda zu den beeindruckendsten und fotogensten Reisezielen Afrikas.

Misty mountain landscape with clouds hovering around rugged peaks, and dense forest covering the lower slopes.

Foto: Luke Abrahams

Children walking with an adult along a rural path, lined with tall trees, near a puddle. One child leads the way in the distance.
View through a vehicle windshield of a rural road, with people walking along the roadside. Trees and lush greenery line the road under a blue sky.
Street scene with people on motorbikes and bicycles in front of shops on a sunny day, with a clear blue sky and scattered clouds.

Nirgends zeigt sich die Landschaft majestätischer als in den Virunga-Vulkanen im Nordwesten des Landes. Von Kigali aus führt eine dreistündige Fahrt bergauf dorthin – die Kamera solltest du dabei jederzeit griffbereit haben – vorbei an kleinen, farbenfrohen Dörfern und Wanderern, viele mit frischem Obst und Gemüse auf dem Rücken. Die Frauen lächeln neugierig und mustern internationale Besucher wie mich. Kinder tollen zwischen Sträuchern, riesigen Palmen und Bananenplantagen umher. Die Männer sausen durch die bergigen Straßen und balancieren schwere Reissäcke oder landwirtschaftliche Geräte, vorbei an Seen, Flüssen und tiefen, fruchtbaren Schluchten. Schließlich endet die Straße auf 2.500 Metern Höhe, über den Wolken, im Volcanoes-Nationalpark.

Green mountains under a cloudy sky, showcasing rugged peaks and a densely forested landscape.

Foto: Luke Abrahams

Lush green field with pink flowers in the foreground and a large, cloud-covered mountain in the background under a partly cloudy sky.

Fotos: Luke Abrahams

An elephant with large tusks stands in a grassy field, surrounded by distant trees and hills in the background.
Buffaloes grazing on a grassy hillside with a backdrop of tall trees and a misty sky.
A monkey with light and dark fur sits in a tree, holding and chewing on a stick, surrounded by green leaves and branches.
Cluster of green, oblong fruits hanging from a tree, surrounded by broad leaves, with sunlight filtering through the canopy.

Hoch über dichten Bambuswäldern erhebt sich der ruandische Teil der Virunga-Berge: ein uraltes Gebirge entlang der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo und zu Uganda. Fünf Vulkane – Mount Karisimbi, Mount Bisoke, Mount Muhabura, Mount Gahinga und Mount Sabyinyo – ragen nahezu im Gleichklang aus der Erdkruste empor und bilden eines der spektakulärsten Naturschauspiele im Herzen Afrikas. Das Leben hier verläuft in ruhigem Tempo. Am treffendsten lässt sich die Region wohl als landwirtschaftliches Herz Ruandas beschreiben, wo sich Felder bis zum Horizont erstrecken. Bananen, Mangos, Ananas, Maracujas und Avocados wachsen in alle Richtungen, dazu Felder mit Blattgemüse und den Kinigi-Kartoffeln, die in ganz Ruanda für ihre besondere Lockerheit und ihren cremigen Geschmack geschätzt werden.

Zwischen all den Sträuchern liegen vereinzelt Dörfer mit lebhaften Märkten und Kunsthandwerkskooperativen, die von einheimischen Frauen geführt werden – ein beliebtes Ziel für Reisende auf der Suche nach geflochtenen Körben oder geschnitzten Holzarbeiten. Doch die eigentliche Attraktion ist Ruandas größter Besuchermagnet: die scheuen Berggorillas. Der Volcanoes-Nationalpark beherbergt mehr als die Hälfte der weltweit verbliebenen Berggorillas und wurde durch die verstorbene Dian Fossey weltbekannt – die amerikanische Primatologin und Naturschützerin, deren bahnbrechende Forschung an den über 800 Berggorillas, die in diesem Teil Ruandas leben, bis heute nachwirkt.

Gorilla sitting among greenery, gently cradling an infant gorilla with a calm expression.

Foto: Luke Abrahams

Elephant with long tusks stands amidst greenery, with a building and lush foliage in the background.

Foto: Luke Abrahams

Aufgrund dieser Gorillapopulation haben sich am Fuß der erloschenen Vulkane einige der renommiertesten Trekking-Lodges der Welt angesiedelt. Eine davon ist die Singita Kwitonda Lodge – ein Rückzugsort mitten im Nationalpark und Teil einer Marke, die sich einem naturschutzorientierten Ansatz im Luxustourismus verschrieben hat. Dank ihrer privilegierten Lage ist sie die einzige Lodge, von der aus du alle fünf Vulkane gleichzeitig sehen kannst – und mit etwas Glück auch Waldelefanten, die aus den Hügeln herabkommen, um aus den Tauchbecken des Camps zu trinken. Außerdem ist sie ein idealer Ausgangspunkt, um den Park zu erleben, ohne die Suite überhaupt verlassen zu müssen. Das Wetter in dieser Region Ruandas ist äußerst unberechenbar. Ich empfehle, früh aufzustehen, um bei klarem Himmel die Berge zu genießen, bevor der Regen einsetzt. Am Nachmittag legen sich Nebelschwaden über die Hänge: der perfekte Moment für dramatische, stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen.

Large window reflecting a mountain under a clear sky, overlooking a grassy landscape with a mountain in the distance.

Fotos: Luke Abrahams

Cozy interior with a brown leather chair, textured wall art, brick walls, wooden furniture, and a plush beige rug. Natural and earthy tones dominate.
A wall display with maps, botanical prints, photos of plants and animals, and layered paper clippings on a corkboard background.
A variety of colorful woven baskets and lids with intricate patterns are displayed on a straw mat under sunlight.

Singita – ebenso wie die anderen großen Lodges und Gästehäuser – liegt in unmittelbarer Nähe zu den umliegenden Dörfern und zum zentralen Ort Musanze. Letzteren kannst du auslassen, wenn deine Zeit knapp ist, denn das lokale Leben spielt sich direkt vor deiner Haustür ab. Welches Dorf du besuchst, hängt davon ab, wer dich mit offenen Armen empfängt. In meinem Fall war es Kinigis altes Dorf – ein Labyrinth aus Steinhäusern, bekannt für sein Kunsthandwerk und, je näher man dem Nationalpark kommt, auch für eine eigene Population durchziehender Goldmeerkatzen. Die Frauen beeindrucken mit ihrem außergewöhnlichen Textilhandwerk und flechten traditionelle Graskörbe in den verschiedensten Farben, während die Männer jahrhundertealte Schnitztechniken vorführen, von denen viele bis heute angewendet werden. So groß die Versuchung auch ist, an jeder Ecke zur Kamera zu greifen – bitte immer zuerst um Erlaubnis, besonders wenn du Frauen und Kinder fotografieren möchtest.

A gorilla stands amidst lush green foliage, gazing directly at the camera with an inquisitive expression.

Foto: Luke Abrahams

A small gorilla with fluffy black fur sits on the ground surrounded by green foliage, looking curiously forward.
A mother gorilla sits with her baby nestled close, surrounded by lush green foliage.
Young gorilla lying in lush green foliage, eating a leaf. Its eyes are bright, and it rests against an adult gorilla partially visible behind.

Wenn es ums Fotografieren der Gorillas geht, ist das Wichtigste die richtige Ausrüstung und ausreichend Schutz, denn der Trek kann stellenweise anspruchsvoll sein – ich bin auf den unebenen Pfaden zweimal gestürzt. Außerdem solltest du bedenken, dass deine Zeit begrenzt ist. Besucher dürfen nur eine Stunde bei einer zugeteilten Gorillafamilie verbringen, und die Zeit beginnt in dem Moment zu laufen, in dem du den ersten Gorilla entdeckst. Mein Rat: Geh gut vorbereitet los und rechne mit dem Unerwarteten. Ich habe die majestätischen Tiere mit einer Fujifilm X-T5 fotografiert – mit einem 16–80-mm-Weitwinkel- und einem 70–300-mm-Teleobjektiv. Anders als auf einer Safari bist du diesen Primaten ganz nah. Es gibt keinen Zaun und keinen Jeep als schützende Barriere. Umso wichtiger ist es, ruhig zu bleiben und jederzeit auf deinen Guide zu hören.

Welche Art von Trekkingtour du wählst (sie reichen von leicht bis anspruchsvoll) beeinflusst, wie nah und intensiv deine Aufnahmen werden. Meine Tour, eine mittelschwere Wanderung, führte mich hinauf in die Berge, vorbei an Sümpfen, Feldern, Farmen, Bambuswäldern und durch extrem schlammiges Gelände. Als ich die Gorillas erreichte, war ich ein schweißgebadetes Wrack. Deshalb nahm ich mir einen Moment Zeit, um meine Ausrüstung in Ruhe vorzubereiten, bevor ich zu ihnen ging. Umgeben von dichtem Blattwerk stellte vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit eine Herausforderung dar. Pack unbedingt ein Reinigungstuch für dein Objektiv ein – in den Bergen beschlägt die Linse schnell, besonders wenn sich deine Tour der Mittagszeit nähert. Bei den Gorillas selbst nutzte ich ausschließlich mein 16–80-mm-Objektiv. Meine Gorillafamilie war so sehr an Menschen gewöhnt, dass die Jungtiere ganz nah kamen, sich aus Neugier an meine Beine klammerten oder an den Knöpfen meiner Hose zupften.

Auch wenn dein Instinkt dir sagt, dich mit den Gorillas zu bewegen, ist es am besten, ruhig zu bleiben und sie auf dich zukommen zu lassen. Ich saß im Gebüsch und war von 22 Berggorillas umgeben, darunter der Silberrücken und mehrere Jungtiere. Wenn du ein wildes Tier aus nächster Nähe fotografierst, ist es entscheidend, gelassen und entspannt zu bleiben, denn sie reagieren auf deine Ausstrahlung. Je wohler du dich fühlst, desto neugieriger werden diese sanften Riesen. Wie David Attenborough einmal sagte: „Es steckt mehr Bedeutung und gegenseitiges Verständnis im Austausch eines Blicks mit einem Gorilla als mit jedem anderen Tier.“ Es ist ein Erlebnis fürs Leben – eines, das seinen besonderen Wert oft genau in dem Moment entfaltet, in dem du den Objektivdeckel wieder aufsetzt. Nachdem du deine Fotos gemacht hast, nimm dir Zeit, ganz im Augenblick zu sein. Mit diesen Tieren zusammen zu sein, ist Privileg und Geschenk zugleich.

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