Geschichten

Ein Leben in Bildern: Rejection Therapy mit Sophie Jones

Von der Bitte um etwas Benzin bis zu spontanen Jubelrufen in der Öffentlichkeit – Sophie Jones verwandelt unangenehme Momente in Werkzeuge für mehr Resilienz und zeigt, wie auch andere davon profitieren können

Yulia Aleksandrova

Yulia Aleksandrova

Popsa-Autorin

23. Okt. 20255 min

A woman with long blonde hair sits in a cozy living room, smiling, with a laptop on her lap. A fireplace and bookshelves are in the background.
A woman with long blonde hair sits in a cozy living room, smiling, with a laptop on her lap. A fireplace and bookshelves are in the background.

Wenn man Sophie Jones zum ersten Mal sieht, wie sie im Hochzeitskleid selbstbewusst durch einen Supermarkt läuft, setzt sofort dieses vertraute Gefühl ein: Fremdscham. Der Impuls, wegzusehen, kommt fast automatisch. Doch genau diesem Reflex entzieht sie sich – sie bleibt nicht stehen, sie geht einfach weiter.

Rejection Therapy, wie Sophie sie beschreibt, ist eine bewusst gestaltete Reihe von Aufgaben, die gezielt Unbehagen auslösen sollen: eine tägliche, strukturierte Einladung, das Wort „Nein“ zu hören, den Moment der Bloßstellung zu spüren – und trotzdem weiterzumachen. Begonnen hat alles im Mai 2024 mit einer 30-Tage-Challenge: jeden Tag eine Aufgabe, die Überwindung kostet. Doch aus diesem Experiment wurde schnell mehr. Was als Übung startete, wurde zu einer Grundeinstellung.

Manche ihrer Aktionen wirken fast spielerisch, etwa plötzlich im Flugzeug zu jubeln oder sich spontan den Bauhelm eines Handwerkers auszuleihen. Andere gehen deutlich weiter: an einer Tankstelle nach kostenlosem Benzin fragen und die entstehende Stille bewusst aushalten. Doch im Kern geht es nie um die Reaktion der anderen. Nicht um das „Ja“, auch wenn es überraschend oft kommt. Sondern darum, mit den eigenen Gefühlen umgehen zu lernen.Denn genau dort liegt die eigentliche Herausforderung: im Umgang mit Unsicherheit, Ablehnung und dem eigenen inneren Widerstand.

Unser Kurzfilm begleitet diese Entwicklung und hält sie in einem Popsa-Fotobuch fest – nicht als inszenierte Erfolgsgeschichte, sondern als ehrliches, ungefiltertes Protokoll. Bilder von Momenten, die unangenehm und gleichzeitig überraschend kraftvoll sind.

Sophies Tipps für den Einstieg in Rejection Therapy

  1. Der Einstieg beginnt oft in unscheinbaren Momenten. Wenn du zum Beispiel im Auto sitzt und laut Musik hörst, kennst du vielleicht den Moment, in dem du an einer roten Ampel plötzlich aufhörst zu singen, weil andere dich sehen könnten. Genau hier setzt die Übung an: Mach einfach weiter. Singe, tanze, bleib im Moment – auch wenn du beobachtet wirst. Sobald die Ampel wieder grün wird, fährst du weiter. Kein Gespräch, keine direkte Konfrontation, aber ein erster Schritt, dich an Sichtbarkeit zu gewöhnen.

  2. Auch kleine soziale Gesten können helfen. Sprich eine fremde Person an, mach ihr ein ehrliches Kompliment und wünsche ihr einen schönen Tag. Es geht nicht darum, perfekt zu wirken, sondern darum, den Moment zuzulassen – mit allem, was dazugehört.

  3. Im Alltag bieten sich ständig kleine Gelegenheiten. Frag Freunde nach scheinbar banalen Dingen – einer Haarbürste, einem Kaugummi oder ob sie dein Parfüm ausprobieren möchten. Solche Fragen wirken harmlos, trainieren aber genau das, worauf es ankommt: Initiative und Offenheit.

  4. Wenn du dich etwas mehr herausfordern möchtest, kannst du im Café nach einem kleinen Rabatt fragen.

  5. Oder frag einem Geschäft höflich darum, die Mitarbeitertoilette benutzen zu dürfen. Es sind einfache Situationen. Genau deshalb sind sie so wirkungsvoll.

Wichtig ist dabei vor allem eines: Geh in deinem eigenen Tempo. Rejection Therapy kann unangenehm sein und manchmal auch Angst auslösen. Deshalb lohnt es sich, langsam zu beginnen und die Intensität Schritt für Schritt zu steigern. Nicht der Mut an einem einzelnen Tag zählt, sondern die Kontinuität.

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