Fotografie
So fotografierst du Dampf, Atem und Wärme bei kaltem Wetter
Die Fotografin Emilie Hill zeigt, wie die stimmungsvollsten Details der Winterfotografie entstehen
29. Juni 2026∙6 min


Fotografie
Die Fotografin Emilie Hill zeigt, wie die stimmungsvollsten Details der Winterfotografie entstehen
29. Juni 2026∙6 min


Emilie Hill ist eine australische Reisefotografin und fotografiert seit mehr als zehn Jahren in einigen der entlegensten und anspruchsvollsten Regionen der Welt.
Eine besondere Magie zeigt sich erst, wenn die Luft kalt genug ist, um sie sichtbar zu machen. Ich habe in einigen der wildesten Gegenden der Erde gearbeitet – von Grönland und der Antarktis bis zu den abgelegenen Winterlandschaften Kanadas und Finnlands. Diese kalten, entlegenen Orte, an denen die Temperaturen weit unter Null sinken und die Luft selbst lebendig wirkt, haben meinen Blick auf die Welt und meine Art zu fotografieren nachhaltig geprägt.
Meine Arbeit verbindet durchdachtes Storytelling mit einer immersiven Bildsprache. Dabei versuche ich, den Charakter eines Ortes durch seine Landschaften und seine Kultur einzufangen. Mich faszinieren flüchtige Augenblicke, weiches Licht und die feinen Arten, wie sich die Natur in Menschen und Orten zeigt. Meine Fotografie bewegt sich zwischen Porträt und Erzählung und wird oft von Reisen, Emotionen und den Momenten dazwischen geprägt, die sonst leicht unbemerkt bleiben.
Sils-Maria, Schweiz
Atem in kalter Luft, aufsteigender Dampf und das warme Leuchten im winterlichen Licht gehören zu den stimmungsvollsten Motiven, die man fotografieren kann. Sie verleihen einem Bild Präsenz und machen das Leben in weiten, gefrorenen Landschaften sichtbar. Gleichzeitig sind sie überraschend schwer einzufangen. Warme Luft verschwindet innerhalb von Sekunden, Dampf geht im Hintergrund unter und Winterlicht kann schnell flach oder unerbittlich wirken – besonders unter extremen Bedingungen, wenn sich alles schnell und unvorhersehbar verändert.
Wenn es gelingt, verändert es alles. Ein einfaches Porträt gewinnt an emotionaler Tiefe, eine ruhige Szene an Atmosphäre. Es geht nicht nur darum, die Kälte festzuhalten, sondern auch die Wärme sichtbar zu machen, die in diesen Szenen steckt, und selbst unter den rauesten Bedingungen Momente von Nähe und Menschlichkeit einzufangen. Hier sind meine wichtigsten Tipps, um Dampf, Atem und winterliche Stimmung zu fotografieren.

Pumphouse Point, Lake St Clair, Tasmanien

Captains Rest, Strahan, Tasmanien

Spitzbergen, Norwegen

Lake Louise, Banff-Nationalpark, Kanada

Spitzbergen und Grönland
Wenn du schon einmal jemanden in kalter Luft fotografiert hast und der Atem auf dem Bild nicht zu sehen war, liegt das meist an der Lichtrichtung. Atem braucht Licht im Hintergrund, damit er sich davon abhebt. Positioniere dein Motiv so, dass die Lichtquelle – ob Sonne, Straßenlaterne oder Fenster – leicht hinter der Person liegt. So entsteht ein sanfter Lichtschein um den Atem, der ihn sichtbar macht, sobald er ausgeatmet wird. Das gilt nicht nur für Atem, sondern auch für verwehten Schnee oder tief hängenden Nebel. Gegenlicht hilft dabei, feine Partikel von der Landschaft abzugrenzen. Positioniere dich so, dass die Lichtquelle knapp hinter der Szene liegt. Dadurch werden die Partikel in der Luft sichtbar und es entsteht dieser weiche, leuchtende Saum, der Winterbilder zum Leben erweckt.
Das klingt zwar offensichtlich, aber die Temperatur spielt eine entscheidende Rolle. Sichtbarer Dunst, Nebel, Dampf und Atem entstehen erst, wenn es kalt genug ist, dass die warme Luft kondensieren kann. Bei Atem tritt das meist unter 5 °C auf, besonders zuverlässig bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt. Wenn du bisher Schwierigkeiten hattest, liegt es vielleicht einfach daran, dass es nicht kalt genug war. Besonders gut geeignet sind die frühen Morgenstunden oder die Blaue Stunde. Denk an stille Straßen, vereiste Felder oder klare Bergluft, bevor der Tag wärmer wird. Je kälter und ruhiger die Umgebung ist, desto deutlicher zeichnet sich der Atem ab. Wichtig ist dabei der Temperaturunterschied: Atem oder Dampf müssen wärmer sein als die umgebende Luft, damit sie sichtbar werden.
Dettifoss, Vatnajökull-Nationalpark, Nordostisland
Lake Gunn, Fiordland-Nationalpark, Neuseeland
Dampf, Atem und Nebel sind filigran – vor hellen oder unruhigen Hintergründen verschwinden sie schnell. Suche deshalb nach dunkleren Flächen oder nach einem ruhigen Negativraum hinter deinem Motiv. Waldränder, schattige Straßen oder selbst eine dunkle Mauer können genau den Kontrast schaffen, den du brauchst. Wenn du jemanden mit einem heißen Getränk im Freien fotografierst, achte darauf, dass der Dampf vor einem dunkleren Hintergrund aufsteigt und nicht vor dem offenen Himmel. So wird dieses feine Detail sofort deutlich sichtbarer.
Solche Motive sind flüchtig, aber nicht unberechenbar. Statt einfach durchgehend zu fotografieren, kannst du dein Motiv gezielt anleiten. Bitte die Person, tief einzuatmen und langsam durch den Mund auszuatmen. Zähle bei Bedarf mit. Der sichtbarste Teil des Atems entsteht meist direkt zu Beginn des Ausatmens. Wenn du diesen Moment häufig verpasst, nutze den Serienbildmodus oder eine etwas kürzere Verschlusszeit. So steigen die Chancen, die perfekte Form einzufangen, bevor sie sich wieder auflöst.
Riisitunturi-Nationalpark, Finnland
Dampf lässt sich am einfachsten fotografieren, wenn es einen deutlichen Temperaturunterschied gibt. Heiße Getränke im Freien sind dafür ideal – Kaffee, Tee, Suppe oder alles andere, was sichtbaren Dampf erzeugt, sobald es auf kalte Luft trifft. Frisch eingeschenkte Getränke funktionieren am besten, daher ist auch hier das Timing wichtig. Nimm an einem kalten Morgen eine warme Tasse mit nach draußen und fotografiere direkt. Halte die Tasse möglichst ruhig und beobachte, wie sich der Dampf bewegt. Oft entstehen weiche, unvorhersehbare Muster, die selbst statischen Bildern ein Gefühl von Bewegung verleihen. Auf Videos wirkt dieser Effekt häufig sogar noch eindrucksvoller.
Während Gegenlicht für Atem besonders gut funktioniert, wirken Dampf und Nebel im Seitenlicht oft natürlicher. Seitenlicht bringt Strukturen zum Vorschein, ohne sie zu hart wirken zu lassen. Dadurch wirkt der Dampf weicher und vielschichtiger – besonders bei Lifestyle-Aufnahmen von Menschen, die ihre Hände an einer Tasse wärmen oder am Fenster sitzen. Innenräume mit Fensterlicht eignen sich dafür hervorragend. Draußen solltest du dich so positionieren, dass das Licht durch den Dampf fällt und nicht direkt von hinten kommt.
The Burrows, Swansea, Tasmanien
Riisitunturi-Nationalpark, Finnland
Die eindrucksvollsten Winterbilder brauchen nicht immer Menschen als Motiv. Oft sind es die Bedingungen selbst, die die Atmosphäre schaffen. Nebel, der tief über Tälern liegt, Dunst, der von Wasserflächen aufsteigt, oder Wolken, die sich an Berghängen festsetzen – all das bildet eine natürliche Kulisse für Atem und Dampf. Nach kalten Nächten sind die Chancen am frühen Morgen meist am größten. Kontraste verleihen diesen Szenen Leben. Statt dich nur auf Menschen zu konzentrieren, halte Ausschau nach Wärme in der Landschaft selbst: nach Dampf, der dort aufsteigt, wo warmes Wasser auf kalte Luft trifft, nach einer entfernten Hütte oder nach einem sanft beleuchteten Fenster. Solche Elemente verleihen weiten, winterlichen Landschaften Emotionen.
Atem ist mehr als nur ein visuelles Detail. Er vermittelt Gefühl. In Winterporträts kann er Nähe, Verletzlichkeit oder sogar eine stille Form von Einsamkeit ausdrücken. Stell dir jemanden vor, der sich in einen Schal hüllt, die Hände in die Ärmel steckt und in die kalte Luft ausatmet. Wenn deine Winterporträts manchmal etwas statisch wirken, leite kleine Handlungen an, statt nur auf starre Posen zu setzen. Langsames Gehen, die Hände wärmen, ein Lachen mitten im Gespräch oder ein Schluck Tee oder Kaffee bringen den Atem ganz natürlich ins Bild.
Cradle Mountain, Tasmaniens Zentrales Hochland, Australien
Wind, Luftfeuchtigkeit und Licht beeinflussen diese Aufnahmen maßgeblich. Am wichtigsten ist ruhige Luft, denn Wind löst die Form von Atem oder Dampf oft auf, bevor du sie fotografieren kannst. Feuchte Luft macht Dampf dichter und sichtbarer, während trockene Kälte leichtere, flüchtigere Atemwolken entstehen lässt. Achte auf deine Umgebung. Plane deine Aufnahmen möglichst für die passenden Wetterbedingungen – frühe Morgenstunden mit ruhiger Luft und etwas Nebel sind ideal. Auch geschützte Orte können helfen. Eine ruhige Ecke oder die windabgewandte Seite eines Gebäudes kann einen spürbaren Unterschied machen.
Die Bildbearbeitung spielt eine wichtige Rolle dabei, die Atmosphäre eines Winterbildes herauszuarbeiten. Werkzeuge wie „Dunst entfernen“ und „Klarheit“ helfen, die Stimmung gezielt zu verfeinern. Bei winterlichen Motiven kann eine leichte Anpassung von „Dunst entfernen“ helfen, Nebel, Dampf und die weiche Luftwirkung zu bewahren. Eine geringere Klarheit sorgt dafür, dass Atem und Dampf nicht zu hart wirken, wodurch ein sanfter, fast traumhafter Eindruck entsteht.
Nietzsche-Haus, Sils-Maria, Schweiz
St. Moritz, Schweiz
Häufig gestellte Fragen
Wie kalt muss es sein, damit Atem auf Fotos sichtbar wird?
Welches Licht eignet sich am besten, um Atem oder Dampf zu fotografieren?
Wie fotografiere ich Dampf von Getränken oder Speisen, ohne dass er verschwindet?
Kann ich sichtbaren Atem auch mit dem Handy fotografieren?
Welche Kameraeinstellungen eignen sich am besten, um sichtbaren Atem im Winter zu fotografieren?
Welche Fehler sollte man vermeiden, wenn man sichtbaren Atem fotografiert?

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