Mehr als dreißig Jahre nachdem die verschwommenen Fotos meiner Mutter und meiner Onkel am Comer See entstanden waren, standen meine Schwester und ich plötzlich am selben Ort – und übernachteten im selben Hotel: dem Grand Hotel Tremezzo. Die Bedeutung dieses Kreises, der sich schloss, war mir sofort bewusst. Ein Ort, an dem meine Familie einst wegen ihrer Hautfarbe vielleicht aufgefallen wäre, empfing mich nun ganz selbstverständlich, um das Hotel als Reisejournalistin zu testen.
Das Hotel war genauso glamourös und glanzvoll, wie ich es mir erhofft hatte und der Comer See sogar noch spektakulärer. Die weite Wasserfläche wirkte in ihrer Ruhe zugleich dramatisch und majestätisch, funkelte im Sonnenlicht und war aus allen Richtungen von Bergen und farbenfrohen Dörfern umgeben. Als wir im Taxi die kurvenreiche Straße am See entlangfuhren, verschlug mir seine schiere Größe den Atem. Das Grand Hotel Tremezzo ist seit langem untrennbar mit dem See verbunden: eine echte Grande Dame, die seit mehr als einem Jahrhundert an seinem Ufer steht, mit leuchtend orangefarbenen Sonnendächern vor der buttergelben Fassade. Vor dem Hotel schwimmt ein Pool direkt auf dem See, eingerahmt von rot-weiß gestreiften Sonnenschirmen.
Unsere drei Tage dort vergingen in ausgelassener Freude: Safran-Risotto genießen, sogar mit Blattgold bestreut; mit einem eleganten Riva-Speedboot über den See gleiten; und morgens Espresso auf dem Balkon trinken, hoch über dem Wasser. Der Aufenthalt war schlicht herrlich – ein sonniger Sommerausflug, der sich anfühlte, als lebten wir einen Traum aus den Fotografien von Slim Aarons. Der Besuch am Comer See war in gewisser Weise auch ein stiller Akt der Selbstbehauptung. Wir gehörten dorthin, genauso wie alle anderen. Dass ich eingeladen wurde, ein Hotel zu testen, das meinen Vorfahren einst vielleicht ein wenig feindselig erschienen wäre, war der Beweis dafür.