Geschichten
Besondere Erinnerungen schaffen als alleinerziehende Mutter
Für die Journalistin Rebecca Cope ist das Fotografieren ihrer Tochter zu einem Liebesbrief an ihre kleine Familie geworden
Rebecca Cope
Journalistin
22. Okt. 2025∙6 min


Geschichten
Für die Journalistin Rebecca Cope ist das Fotografieren ihrer Tochter zu einem Liebesbrief an ihre kleine Familie geworden
Rebecca Cope
Journalistin
22. Okt. 2025∙6 min


Die Journalistin und ehemalige Digital Director von Tatler, Rebecca Cope, hat Hollywoods größte Stars interviewt und von roten Teppichen auf der ganzen Welt berichtet. Doch ihr bedeutungsvollstes Motiv liegt mittlerweile viel näher an ihrem Zuhause: ihre Tochter Luna. Seit sie alleinerziehende Mutter ist, hat Rebecca ihre Kamera nach innen gerichtet und nutzt die Fotografie, um flüchtige Momente der Liebe, des Lachens und des Heranwachsens festzuhalten.
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, die alten Fotoalben meiner Mutter durchzublättern. Tatsächlich glaube ich, dass viele meiner frühesten Erinnerungen gar keine echten Erinnerungen sind. Es sind Erinnerungen an diese Fotos, von denen sich viele tief in mein Gedächtnis eingebrannt haben: ein Freund der Familie, der auf meiner fünften Geburtstagsparty zu „The Birdie Song“ von The Tweets tanzt; wie ich an einem heißen Sommertag die Rutsche hinunter in ein Planschbecken im Garten sause; oder wie ich auf einem hölzernen Schwebebalken auf dem Schulhof stehe und mit meinen Klassenkameraden aus der sechsten Klasse das Peace-Zeichen mache. So viele dieser Momente wären mir verloren gegangen, wenn sie nicht festgehalten worden wären.
Man kann über die negativen Aspekte von Smartphones sagen, was man will – in einem Punkt sind sie unschlagbar: Sie machen es einfacher, unser Leben festzuhalten. Das gilt für mich besonders, seit ich Mutter bin. Ich bin das Klischee schlechthin: die Mutter, die dasitzt und durch Bilder ihres Babys scrollt, sobald es eingeschlafen ist, um die Momente des Tages noch einmal zu erleben.
Als alleinerziehende Mutter verspüre ich ein besonders starkes Bedürfnis, die ersten Lebensjahre meiner Tochter Luna festzuhalten – vielleicht, weil es niemanden sonst gibt, der sich mit mir an diese Momente erinnert. Es ist eine Art emotionales Sicherheitsnetz, das mir erlaubt, immer wieder liebevoll zurückzublicken und ihr erstes Lächeln, ihre ersten Schritte und ihre „Say Cheese!“-Pose noch einmal zu erleben.
Ich weiß, dass sie diese Momente mit mir später auch schätzen wird. Ihr wird klar werden, wie sehr ich sie liebe und jeden ihrer kleinen und großen Erfolge gefeiert habe. In vielerlei Hinsicht ist Fotografie eine Art Geschichtenerzählen, und ich möchte, dass sie weiß, dass ihre Geschichte, auch wenn sie vielleicht etwas untypisch ist, dennoch voller Freude ist.
Die ersten Jahre meiner Tochter sorgsam zu dokumentieren ist eine Art Versicherungspolice für mich selbst, damit ich immer mit Freude zurückblicken kann
Schon von den ersten Tagen ihres Lebens an habe ich angefangen, Fotos von ihr zu machen. Ihr erstes Bild entstand nur wenige Stunden nach ihrer Geburt, als ich nach einer strapaziösen Entbindung und einem Notkaiserschnitt endlich wieder mein Handy in den Händen hielt. Sie hatte ein Auge zu und eines offen, als würde sie der Kamera zuzwinkern. Auf einem anderen Foto, aufgenommen in diesen verschwommenen ersten Tagen nach der Geburt, ist sie in die lilafarbenen Musselintücher des Krankenhauses gewickelt und schläft wie ein Engel (leider kein Indiz auf ihr späteres Schlafverhalten). Dann gibt es Bilder von uns beim Stillen, von denen meine Doula sagte, ich würde sie mir eines Tages gerne wieder ansehen wollen (damit hatte sie tatsächlich recht), sowie Fotos von unserem ersten gemeinsamen Bad, auf denen sie einen überraschend fröhlichen Gesichtsausdruck macht. Das sind Bilder, die ich ihr eines Tages an ihrem 18. Geburtstag zeigen werde.
Ein häufiges Gefühl auf der Reise der Mutterschaft ist, dass alles viel zu schnell geht. Man kann diese exakten Momente nicht festhalten – die, in denen sich das Gesicht deines Kindes verändert oder es aufhört, wie ein Baby auszusehen, und beginnt, wie ein kleiner Mensch zu wirken. Zu sehen, wie sich das Gesicht meiner Tochter verändert hat, gehört zu den magischsten Dingen, die mir die Fotografie ermöglicht hat. In diesen frühen Bildern erkenne ich bereits das Mädchen, zu dem sie heranwachsen wird, und doch überrascht es mich immer wieder, wie sehr sie sich verändert. Es ist einfach wunderschön zu beobachten, wie ihre freche Persönlichkeit immer deutlicher zum Vorschein kommt. Die fast Dreijährige, die sich selbst eine Prinzessinnenkrone und eine Sonnenbrille aufsetzt, ist ganz eindeutig dieselbe kleine Persönlichkeit wie das zwinkernde Neugeborene.
Während sie anfangs ihrem Vater sehr ähnlich sah, erkenne ich inzwischen immer mehr von mir selbst in ihr – etwas, das mir, gerade nach dem Ende meiner Beziehung zu ihrem Vater, große Freude bereitet. Sie wird zu meinem kleinen Ebenbild. Es ist einer meiner liebsten Beschäftigungen, Fotos von uns im gleichen Alter zu vergleichen.
Zu sehen, wie sich das Gesicht meiner Tochter verändert hat, ist eines der magischsten Dinge, die die Fotografie mir ermöglicht hat
Gegen Ende des letzten Jahres starb die Großmutter meiner Tochter, die Mutter ihres Vaters, plötzlich. In den Tagen danach durchforstete ich alle Fotos von ihr mit Luna und bedauerte, dass es nicht mehr davon gab. Es sind nur 22 – von den wenigen Begegnungen, die sie hatten. Eine Zahl, die sich erschreckend endgültig anfühlt. Es erscheint mir grausam wenig, wenn ich daran denke, dass ich meiner Tochter eines Tages diese Bilder zeigen werde, um ihr von der Großmutter zu erzählen, die sie nie wirklich kennenlernen konnte. Gerade deshalb bemühe ich mich heute mehr denn je, Momente zwischen Luna und meiner eigenen Mutter festzuhalten, ebenso wie mit meiner Schwester, meinem Schwager und meiner Tante (so sehr es sie manchmal auch nerven mag). Es ist mir wichtig, dass sie sich als Teil einer liebevollen Familie sieht, auch wenn diese Familie klein ist.
Etwas, worin ich mich noch verbessern muss? Andere darum zu bitten, Fotos von uns beiden zu machen. Während ich unzählige Schnappschüsse von ihr beim Spielen oder mit Freunden und Familie habe, besitze ich vielleicht zehn Bilder von uns beiden, die keine Spiegel-Selfie sind. Ich weiß, wie wertvoll Fotos von mir und meinen Eltern aus meiner Kindheit für mich sind – sie verankern uns in der Zeit. Sie zeigen uns gemeinsam in verschiedenen Lebensphasen. Und eines Tages werden sie meine Tochter daran erinnern, dass auch ich einmal ein (relativ) junger Mensch war, der seinen eigenen Weg gegangen ist und sein Bestes gegeben hat.

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