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Zu Tisch mit Ruby Reynolds-Painter: die Kunst des Supper Clubs

Die Freude daran, Fremde zu bewirten, neue Aromen zu entwickeln – und das Rezept für den Apfel-Himbeer-Crumble ihres Vaters, das genauso schmeckt wie Sonntage

Photo of Georgina Groom-Rietschy

29. Apr. 20266 min

Zu Tisch mit Ruby Reynolds-Painter: die Kunst des Supper Clubs
Zu Tisch mit Ruby Reynolds-Painter: die Kunst des Supper Clubs

In dieser Ausgabe von Zu Tisch mit sprechen wir mit Ruby Reynolds-Painter, die Supper Clubs veranstaltet und Rezepte entwickelt. Kürzlich ist sie von London nach Sydney gezogen. Bekannt ist sie für ihren intuitiven, gemüsezentrierten Kochstil und ihre liebevoll gedeckten Tafeln. Mit ihren Nachbarschaftsdinners hat Ruby sich eine treue Community aufgebaut: Fremde setzen sich zu einem Vier-Gänge-Menü zusammen – und gehen als Freunde nach Hause.

Seit dem Umzug nach Sydney ist das Interesse weiter gewachsen. Mittlerweile warten mehr als 300 Menschen auf einen Platz an ihrem Tisch. Ihre Supper Clubs zeigen, was entsteht, wenn Menschen in kleiner Runde zusammenkommen: Gespräche beginnen, die Gemeinschaft wächst – und der Abend bleibt lange in Erinnerung.

Ruby Reynolds-Painter

Was hat dich ursprünglich zum Kochen gebracht – gab es einen bestimmten Moment oder einen prägenden Einfluss?

Essen hat mir schon immer große Freude bereitet. Mein Vater ist ein echter Foodie und stand früher an den Wochenenden stundenlang in der Küche – Rührei auf Toast am Samstagmorgen, Geburtstagskuchen und gemütliche Sonntagsbraten, bei denen die Scheibe der Hintertür beschlug. Auch meine Großmutter hat gern gebacken und mir die Grundlagen beigebracht: einen guten Victoria Sponge, Shortbread und Mürbeteig. Als eines von vier Kindern war es bei uns am Tisch oft laut und chaotisch. Aber genau dort kamen wir als Familie zusammen. Meine Mutter interessierte sich weniger fürs Kochen – ihr Klassiker war Thunfischpasta für uns alle. Ich habe sie nie satt gehabt – bis heute ist sie mein absolutes Wohlfühlessen.

Wer hat dich kulinarisch früh geprägt?

Nicht nur meine Familie, sondern auch verschiedene Jobs haben mich geprägt. Mit 16 arbeitete ich in der Kantine bei Waitrose. Das Tagesmenü zusammenzustellen und die Zutaten zu besorgen gab mir schon früh ein Gefühl für die kreative Seite des Kochens – und fürs Experimentieren. Später absolvierte ich ein Praktikum in der Waitrose-Zentrale. Dort lernte ich großartige Foodstylistinnen und Redakteurinnen kennen, darunter Silvana Franco und Alison Oakervee. Ihre Ideen und ihr enormes Fachwissen haben mich sehr inspiriert. Als Assistentin bei Fotoshootings konnte ich miterleben, wie sie Rezepte zum Leben erweckten – inklusive kleiner Tricks vor der Kamera.

Nach dem Studium zog ich nach London und arbeitete im Social-Media-Team von John Lewis an Kampagnen für Home, Fashion und Beauty, darunter auch an den mit Spannung erwarteten Weihnachtswerbungen. Essen blieb meine Wochenendleidenschaft – und in dieser Zeit entstanden auch meine ersten Supper Clubs. Im Winter renovierte unser Vermieter den Garten unseres Hauses in Clapham. Am ersten sonnigen Tag im März hatten wir plötzlich einen wunderschönen Innenhof – groß genug für einen Tisch, Stühle und Lichterketten. Wir kochten, luden Freunde ein und saßen eingewickelt in Decken bis in die Dunkelheit zusammen. Ich weiß noch genau, wie glücklich ich war. Dort begann alles.

Ich liebe jeden Teil des Gastgebens – die Planung, das Kochen, das Tischdecken, einen schönen Abend für Menschen zu gestalten, die mir am Herzen liegen. Ich begann, das auf Social Media zu teilen, und bald kamen die Nachrichten in Strömen – Freunde und Freunde von Freunden fragten, wann der nächste Supper Club stattfindet. Schließlich verkaufte ich Tickets für 40 oder 50 Pfund pro Person – inklusive vier Gängen und Wein. Menschen kamen allein, zu zweit oder in Gruppen, aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Und es war etwas Besonderes zu sehen, wie sie zusammenfanden.

Ein neues Kapitel begann im vergangenen Oktober, als mein Freund und ich nach Sydney zogen. Ich wusste nicht genau, wo ich anfangen sollte – Supper Clubs sind hier nicht so etabliert wie in London. Also postete ich ein Video auf Instagram und TikTok. Es ging viral. Mehr als eine halbe Million Aufrufe später stehen nun über 300 Menschen auf der Warteliste für das nächste Event.

Wie haben deine Erziehung und dein kultureller Hintergrund deinen Kochstil geprägt?

Ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem immer viele Menschen ein und aus gingen, und das Abendessen war der eine Moment am Tag, an dem wir alle zusammenkamen – versammelt um den Tisch, ohne Handy, ohne Fernseher. Deshalb fühlte sich Essen für mich immer wie ein besonderer Anlass an – selbst eine Thunfischpasta an einem Montag nach der Schule.

Meine Eltern sind sehr kreativ. Meine Mutter ist Kunstlehrerin, mein Vater Schreiner und sie reisten gern. Unser Zuhause war voller bunter Stoffe, selbstgemachter Kunst und Fotos an den Wänden. Freunde kamen vorbei und sagten, wie besonders unser Zuhause sei. Damals habe ich das nicht ganz verstanden, aber mein visueller Stil ist stark davon geprägt.

In meiner Jugend hatte mein Vater mit seiner Freundin Michelle ein Geschäft namens Mason & Painter in der Columbia Road. Dort verkauften sie Vintage-Wohnaccessoires und Geschirr. Sonntags ging ich oft hin, wenn er arbeitete – es war immer meine liebste Station. Ich wollte am liebsten alles mitnehmen. Diese frühe Vertrautheit mit schönen, bewusst ausgewählten Dingen hat meine Liebe zum Stöbern nach besonderem Geschirr geweckt. Noch heute durchsuche ich gern Charity Shops und Märkte nach einzigartigen Stücken. Ein Blick in meinen Feed genügt, und man sieht, wie sehr mich euer Laden geprägt hat.

Wie würdest du deinen Kochstil heute beschreiben?

Einfach, aromatisch und mit so wenigen Zutaten wie möglich. Kochbücher voller Dinge, die man sonst nie kaufen würde, sprechen mich nicht an – ehrlich gesagt gehört Brot mit Butter zu meinen liebsten Speisen. Ich lebe seit Jahren vegetarisch – die Thunfischpasta ausgenommen, natürlich – und meine Küche dreht sich vor allem um Obst und Gemüse. Ich experimentiere gern damit, wie man das Beste aus ihnen herausholt: rösten, einlegen, salzen. Im Alltag greife ich eher zu gesunden, nährenden Gerichten und hebe mir etwas Üppigeres fürs Wochenende auf, wenn mehr Zeit ist. Allerdings gönne ich mir jeden Tag etwas Süßes – auf ein Stück dunkle Schokolade kann ich einfach nicht verzichten.

Die Esskultur in Sydney ist anders. An unserem ersten Abend hatten wir um 20 Uhr reserviert, und um 20:30 Uhr leerte sich das Restaurant bereits. Wir waren die Letzten, während um uns herum schon aufgeräumt wurde. Ich erinnere mich noch daran, wie ich dachte: Das würde in London nie passieren. In Europa isst man später und bleibt länger sitzen. In Sydney hingegen geht man um neun ins Bett, um um fünf zum Sonnenaufgang schwimmen zu gehen. Meine Essenszeiten haben sich langsam angepasst, und bei Sonnenschein greife ich ganz automatisch zu leichteren Gerichten.

Die Food-Szene hier ist dennoch großartig. Meine Liste an Restaurants und Bars, die ich noch ausprobieren möchte, scheint endlos. Besonders inspiriert hat mich die australische Wertschätzung für frische, regionale Produkte. London hat weiterhin die Nase vorn, wenn es um kulturelle Vielfalt und die schiere Bandbreite an Küchen geht. Aber der Kaffee hier hat meinen Blick verändert – selbst an einem Strandkiosk bekommt man oft einen besseren Kaffee als in vielen Londoner Cafés.

Welche Rolle spielen Geschichten und Erinnerungen in deiner Küche?

Jedes Gericht erzählt eine Geschichte. Selbst Bohnen auf Toast sagen etwas – dass der Tag lang war und ich Trost brauche. Ein neues Rezept mit frischen, lebendigen Zutaten heißt: Ich bin gut gelaunt und probiere etwas aus. Ein Kürbiseintopf bedeutet, dass ich müde bin und mir einen gemütlichen Abend zu Hause wünsche.

Ob bewusst oder nicht – alles, was ich koche, ist von etwas beeinflusst. Social Media ist dafür eine große Inspirationsquelle. Mein Explore-Feed ist ein kulinarisches Paradies. Ich habe Tausende Rezepte gespeichert und koche kaum eines davon genau nach. Stattdessen nehme ich einzelne Ideen und setze sie neu zusammen. Auch Restaurantbesuche nähren diese Inspiration. Zu meinen jüngsten Favoriten in Sydney zählen Louie in Coogee für besondere Abende, Iggy’s Bakery in Bronte für seine Sauerteig-Croissants und Cut Lunch Deli in Clovelly – tagsüber ein Sandwichladen, ab 17 Uhr eine Bar.

Das Gericht, das all das für mich am besten vereint, begleitet mich seit meiner Kindheit: der Apfel-Himbeer-Crumble meines Vaters. Wir aßen ihn jeden Sonntag nach dem Braten – und manchmal auch unter der Woche, wenn noch Obst übrig war, das verbraucht werden musste – was jedes Mal ein unerwarteter Genuss war. Das Topping ist eher Shortbread als klassischer Crumble – eine köstliche Mischung aus Butter, Mehl und Zucker, mindestens drei Zentimeter dick. Serviert wurde er in Schalen, und wir gossen so viel Sahne darüber, bis der Crumble vollständig darunter verschwand. Die Früchte sind immer perfekt ausbalanciert – süß, aber mit einer feinen Säure. Und ich habe das Rezept genauso beibehalten, wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

Rubys Apfel-Himbeer-Crumble

Tipp: Achte auf das richtige Verhältnis – und sorge immer dafür, dass es mehr Streusel als Frucht gibt.

Zutaten

Für die Frucht

  • 2 große Äpfel

  • 1 Schale Himbeeren

  • 1 EL feiner Zucker

  • 1 Zitrone, entsaftet

  • 50 ml Wasser

Für die Streusel

  • 200 g Butter

  • 150 g feiner Zucker

  • 200 g Weizenmehl

Zubereitung

Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Die Äpfel schälen und in Scheiben schneiden, dann zusammen mit den Himbeeren, dem Zucker, dem Zitronensaft und dem Wasser in einen mittelgroßen Topf geben. Abdecken und bei niedriger Hitze etwa 15 Minuten köcheln lassen, bis das Obst weich ist.

Inzwischen die Butter in Würfel schneiden und zusammen mit dem Zucker in eine Schüssel geben. Mit den Fingerspitzen verreiben, bis die Mischung an Streusel erinnert. Dann das Mehl hinzufügen und zu einem Teig verarbeiten. Den Teig flachdrücken oder ausrollen – ungefähr in der Größe der Auflaufform.

Das Obst in die Form geben und mit den Streuseln bedecken. Etwa 25 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist. Mit Sahne, Vanilleeis, Vanillesauce – oder allem zusammen – servieren.

Mehr zu Rubys nächstem Supper Club findest du bei Ruby’s Food.

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