Anlässe
Wie man die Magie von Partys nach Einbruch der Dunkelheit einfängt
Die Fotografin Alma Rosaz zeigt, wie sie mit Licht, Farbe und Energie Partys zum Leben erweckt – von neonbeleuchteten Clubs bis zu glitzernden Tanzflächen
30. Okt. 2025∙6 min


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Die Fotografin Alma Rosaz zeigt, wie sie mit Licht, Farbe und Energie Partys zum Leben erweckt – von neonbeleuchteten Clubs bis zu glitzernden Tanzflächen
30. Okt. 2025∙6 min


Alma Rosaz ist eine in London ansässige Kampagnen- und Kinderfotografin, die für ihre weitwinkligen, kühnen und fröhlichen Bilder bekannt ist. Sie erschafft ihre eigene, atypische Bildwelt, indem sie kitschige und humorvolle Momente einfängt.
Ich habe mich schon immer zu Menschen hingezogen gefühlt – zu ihrer Energie, ihren Geschichten und ihrem Stil. Als Fotografin mit Sitz in London konzentriere ich mich darauf, kühne, lebendige und inklusive Bilder zu schaffen, die den Menschen ein gutes Gefühl geben. Ich bin umgeben von Farben und Kulturen aufgewachsen, und meine französischen Wurzeln sowie meine internationale Erziehung – ich habe in Nigeria, Norwegen, Indonesien und New York gelebt – haben meinen Blick früh geprägt. Der Anblick nigerianischer Frauen in ihren farbenfrohen Sonntagskirchenoutfits inspiriert bis heute die Vielfalt meiner Arbeit.
Ich arbeite seit vielen Jahren als Freiberuflerin in London und durfte bereits mit Kunden wie Adidas, Swatch, New Look und Universal Music zusammenarbeiten. Doch im Kern bin ich immer noch der Teenager, der Outfits für Freunde zusammenstellt, kleine Modenschauen organisiert und spontane Momente festhält. Partys zu fotografieren fühlt sich daher ganz natürlich an – es geht darum, Teil des Geschehens zu werden und die Funken der Freude einzufangen, sobald sie entstehen.Hier sind einige meiner Herangehensweisen.
Ich bin extrovertiert und blühe in Menschenmengen richtig auf. Auf einer Party stehe ich nicht am Rand, sondern bewege mich mitten unter den Gästen. Ich beobachte, wie sie miteinander interagieren, wo gelacht wird und wer sich wohlfühlt. Wenn ich eine Gruppe entdecke, konzentriere ich mich auf ein oder zwei Personen und lasse sie vergessen, dass ich da bin. Oft stelle ich mich kurz vor oder suche zumindest Blickkontakt und lächle – das hilft den Gästen, sich in meiner Nähe und vor der Kamera wohlzufühlen. Genau in diesen Momenten entstehen die authentischsten Bilder.
Die Beleuchtung bei Veranstaltungen ist oft unvorhersehbar, aber genau das macht den Reiz aus. Ich verlasse mich nie auf den kamerainternen Blitz – er wirkt hart und flach. Stattdessen arbeite ich mit einem externen Blitzgerät, lasse das Licht von Wänden oder Decken reflektieren oder nutze einen Diffusor. Besonders in Bars oder Clubs liebe ich es, mit Farben und Bewegungsunschärfe zu experimentieren, indem ich die Verschlusszeit verlängere, Blitzlicht einsetze und Neonlichter durch das Bild ziehen lasse. So entsteht ein Gefühl von Bewegung, das die Atmosphäre perfekt widerspiegelt.
Unsplash
Eventfotografie bedeutet für mich, die richtige Balance zu finden: Ich möchte Momente festhalten, ohne sie zu stören. Ein Zoomobjektiv (24–105 mm) ist dabei sehr hilfreich, vor allem in vollen Räumen, da ich Abstand halten und trotzdem nah herankommen kann. Vor dem Fotografieren nehme ich mir außerdem einen Moment Zeit, um den Raum zu beobachten – wer wird gerne fotografiert, wer eher nicht? Körpersprache schnell zu lesen, hilft mir, respektvoll zu bleiben und dennoch starke Bilder einzufangen.
Foto: Alma Rosaz
Die Stimmung einer Party wird nicht nur von den Menschen bestimmt, sondern auch von den Details. Ich nehme mir immer Zeit, Kuchen, Getränke, Dekorationen, Geschenke, Menüs oder auch all die lustigen Accessoires zu fotografieren, die man auf Partys finden kann. Outfits spielen ebenfalls eine große Rolle – ich liebe es, die Texturen und Farben festzuhalten, die für einen besonderen Anlass ausgewählt werden. Diese Details werden später zu wertvollen Erinnerungsankern.
Foto: Alma Rosaz
Gruppenfotos müssen nicht steif oder gestellt sein. Ich bringe oft Referenzbilder mit, mache Witze und sorge für eine entspannte Atmosphäre. Stress ist ansteckend – wenn ich angespannt bin, überträgt sich das sofort. Deshalb bleibe ich ruhig, lächle und erinnere mich daran, dass dem Kunden die Erinnerungen wichtiger sind als technische Perfektion. Die besten Bilder entstehen, wenn sich alle miteinander wohlfühlen.
Blitzlicht kann dein bester Freund oder dein größter Feind sein. Ich reflektiere es wann immer möglich oder nutze eine kleine Softbox oder Kuppel, besonders in dunklen Locations. Selbst eine einfache Reflektorkarte kann einen großen Unterschied machen. Ziel ist es, Licht zu setzen, ohne das Bild flach wirken zu lassen, und die Stimmung der Party lebendig zu halten.
Ich möchte, dass man die Freude einer Party spürt, wenn man meine Fotos betrachtet. Das bedeutet, auf ein echtes Lächeln, herzliches Lachen und Momente der Verbundenheit zu warten. Bei Weihnachtsfeiern füge ich manchmal eine spielerische Note hinzu, indem ich Kunstschnee in die Luft werfe und so für zusätzlichen Glanz sorge. Es geht darum, den Spaß zu unterstützen, ohne ihn zu unterbrechen.
In der Nachbearbeitung setze ich stark auf Farbe. Sättigung ist ein wesentlicher Bestandteil meines Stils, und ich passe Helligkeit, Kontrast oder Kurven an, um Tiefe zu erzeugen. Dabei verliere ich jedoch nie die Realität des Moments aus den Augen. Die Bearbeitung soll die Atmosphäre verstärken, nicht verfälschen – das finale Bild sollte sich genauso anfühlen wie der Augenblick selbst.
Foto: Alma Rosaz
Das Schönste an der Partyfotografie ist für mich nicht nur, scharfe und ästhetische Bilder zu machen, sondern wenn sich der Kunde bedankt, noch bevor er die Fotos gesehen hat. Das zeigt mir, dass ich präsent war, ohne aufdringlich zu sein, und dass sich die Menschen in meiner Nähe wohlgefühlt haben. Am Ende ist genau das entscheidend: Teil der Feier zu sein und die Freude so festzuhalten, dass sie auch lange danach noch spürbar ist.

Jason Kaye
Popsa-Autor
29. Mai 2025∙5 min