Fotografie

Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang: Warum Italien Europas beste Adresse für Licht ist

Ein Leitfaden für Fotografen zu Zeitpunkt, Lichtrichtung und Kameraeinstellungen

Smiling dark-haired man in a black suit and open-collar white shirt, head-and-shoulders portrait on a dark background.

Luke Abrahams

Autor und Redakteur

29. Apr. 20266 min

Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang: Warum Italien Europas beste Adresse für Licht ist
Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang: Warum Italien Europas beste Adresse für Licht ist

Artikel auf einen Blick

  • Der Unterschied zwischen einem Schnappschuss und einem starken Bild liegt oft an einer Sache: Licht lesen, vorausdenken und bewusst einsetzen – noch bevor du die Kamera hebst.

  • Zeitpunkt, Richtung und Qualität des Lichts sind die drei Grundpfeiler guter Fotografie.

  • Vorbereitung ist alles: Prüfe am Abend den Wetterbericht, nutze Apps wie Alpenglow, experimentiere mit ISO-Werten und beobachte, wie sich das Licht im Lauf des Tages verändert. So fotografierst du mit Absicht statt nur aus Glück.

Frag in der Fotografie nach der größten Obsession – die Antwort lautet fast immer: Licht. Es prägt Stimmung, Atmosphäre, Textur, Form und Farbe eines Bildes. Seine Qualität, vor allem im richtigen Moment, kann selbst eine unscheinbare Szene in etwas Außergewöhnliches verwandeln. Seit einem Jahrhundert versuchen Fotograf:innen, es zu beherrschen. Bis heute ist es der entscheidende Faktor für emotionale Tiefe und starke visuelle Erzählungen. Doch wo findet man das eindrucksvollste Licht – rund um die Uhr?

Amalfiküste. Fotos: Luke Abrahams

Villa La Cassinella, Comer See

Mezzatorre Hotel & Thermal Spa, Ischia

Spanische Treppe, Rom

Palazzo Senatorio, Piazza del Campidoglio, Rom

Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, der wie geschaffen ist für die Goldene Stunde, dann ist es Italien. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ist das Licht hier gleichermaßen dramatisch wie berührend. Es lebt vom Zusammenspiel aus vielfältigen Landschaften, antiker Architektur und warmen, leuchtenden Tönen. Auch die Regionen prägen seinen Charakter. Anders als jeder andere Ort, den ich bisher bereist habe – 140 Länder und es werden mehr –, fühlt sich Italien an wie mehrere Welten in einer. Da sind die dramatischen Küsten von Amalfi bis Cinque Terre, die ländliche Weite Umbriens, des Piemonts und der Emilia-Romagna. Und historische Städte wie Rom, Bologna oder Siena bieten unzählige Möglichkeiten für detailreiche, farbintensive und erzählerisch dichte Kompositionen.

Venedig. Foto: Luke Abrahams

Ischia. Foto: Luke Abrahams

Auch die Atmosphäre spielt eine zentrale Rolle. Enge Gassen, verwinkelte Wege und der scheinbar mühelose Rhythmus der „La Dolce Vita“ – all das macht Straßen, Strände und Piazzas zu einer zeitlosen Bühne. Fast wie eine lebendige Galerie. Kurz gesagt: Italien ist Europas beste Adresse für Licht. Ein Ort, der seit jeher nicht nur Hobbyfotografen wie mich, sondern auch Ikonen wie Slim Aarons begeistert.

Praktische Tipps, um Licht vom Morgengrauen bis zum Abend bewusst einzusetzen

Wie so oft in der Fotografie beginnt alles mit guter Vorbereitung. Egal, ob in Italien oder anderswo: Am Vorabend prüfe ich den Wetterbericht und nutze Apps wie Alpenglow, um die Bedingungen für Sonnenauf- und -untergang besser einschätzen zu können. Ich stelle mir einen frühen Wecker, um die Landschaft im ersten Licht zu erkunden. Ich achte auf Wolken, Bewegungen am Horizont oder flüchtige Momente – von Fischerbooten bis hin zu Wildtieren.

Ischia. Fotos: Luke Abrahams

Ischia

Basilika Santa Maria della Salute, Venedig

Rom

Ponte Vecchio, Florenz

Letztlich bestimmt die Lichtqualität die Bildqualität. Hartes Licht (direktes Sonnenlicht) erzeugt starke, klar definierte Schatten und eine kontrastreiche Ästhetik. Weiches Licht (etwa bei Bewölkung) sorgt für sanftere Übergänge und feinere Tonabstufungen. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Sonnenauf- und -untergang bringen weichere, atmosphärische Farben hervor, während das Mittagslicht härter und intensiver wirkt – und dem Bild Energie und Spannung verleihen kann.

Ebenso wichtig ist die Richtung. Frontallicht minimiert Schatten und betont Farben. Seitenlicht verleiht Struktur und Tiefe ins Bild. Gegenlicht sorgt für Dramatik mit Silhouetten und feinen Lichtkanten. Wer lernt, zu steuern, wie viel Licht in die Kamera fällt, hebt ein Foto vom flüchtigen Schnappschuss zu etwas Ausdrucksstärkerem.\n\n

Experimentieren gehört dazu. Passe den ISO-Wert an und halte eine Szene in mehreren Varianten fest. Niedrige ISO-Einstellungen liefern meist klarere, präzisere Bilder – solche, die den Blick länger halten und Raum für Details lassen.

Portofino. Foto: Luke Abrahams

Amalfiküste. Foto: Luke Abrahams

Auch die Farbtemperatur ist entscheidend. Das Licht verändert sich im Laufe des Tages: Helle Bedingungen lassen Farben flacher erscheinen, während schwächeres Licht Wärme und goldene Tiefe entstehen lässt. Wenn du zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei wechselndem Wetter fotografierst, kannst du die Stimmung bewusst gestalten. Und scheue dich nicht vor Wolken. Sie mildern Kontraste und bringen kühlere, bläuliche Töne ins Bild – Nuancen, die dem bloßen Auge oft entgehen.

Empfohlene Einstellungen

  • Sonnenaufgang/-untergang: ISO 100, f/4, 1/250

  • Helles Sonnenlicht: ISO 100–200, f/8–f/16, 1/100–1/1000

  • Bewölkt: ISO 400, f/2,8, 1/125

Eine ausgewogene Belichtung ist entscheidend. Ein Stativ ist beim manuellen Fotografieren besonders hilfreich. Aber wenn du – wie ich – im Morgengrauen unterwegs bist, kann auch der Automatikmodus mit leicht angepasstem ISO-Wert genauso effektiv sein. Ganz gleich zu welcher Tages- oder Jahreszeit: Gutes Licht ist immer da – du musst nur wissen, wie du es findest.

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