Reisen

21 Fotos: Surfen und Entschleunigen in La Saladita, Mexiko

Ein verschlafenes Dorf zieht Surfer:innen aus aller Welt an. Doch es sind das gemächliche Tempo, die offenen Küchen und das sanfte Licht am Pazifik, die eine Fotografin immer wieder zurückkehren lassen

Issy Croker

28. Juli 20267 min

21 Fotos: Surfen und Entschleunigen in La Saladita, Mexiko
21 Fotos: Surfen und Entschleunigen in La Saladita, Mexiko

Die Reise- und Lifestyle-Fotografin Issy Croker hat ein Auge für das Unscheinbare und Alltägliche. Sie entdeckt Schönheit auf lokalen Märkten, in kleinen Restaurants abseits der Hauptstraßen und in den Gesichtern der Menschen, die einem Ort Leben einhauchen.

Kaum hatte ich mein Gepäck in der kleinen Adobe-Casita abgestellt, griff ich schon nach meiner Kamera und machte mich auf den Weg zur Küste. Im Stillen hatte ich die Tage bis zu dieser Auszeit in Mexiko gezählt, und jede Minute schien zu kostbar, um sie zu verschwenden. La Saladita, ein ruhiges Dorf an der mexikanischen Pazifikküste, hatte mich wieder einmal zurückgezogen. Ich wollte die Landschaft und den gemächlichen Rhythmus des Alltags festhalten, die diesen Küstenabschnitt prägen. Dieser Ort belohnt alle, die bereit sind, einen Gang herunterzuschalten. Jeder Tag bringt etwas anderes: wechselndes Licht, Menschen oder stille Momente, die sich am Ufer ergeben.

Mexiko hat viele schöne Küstendörfer, jedes geprägt von seiner eigenen Landschaft und seinen Traditionen. In La Saladita leben nur wenige hundert Menschen. Der verschlafene Ort ist für einen der längsten linksbrechenden Point Breaks Amerikas bekannt. Die Welle läuft scheinbar endlos an der Küste entlang und zieht Longboarder:innen aus aller Welt an, die sich das Wasser mit Einheimischen teilen, die hier jeden Abschnitt kennen. Ich hatte zehn Tage Zeit, mich auf das Leben hier einzulassen, und schon bald drehte sich alles um den Ozean. Meine Casita lag nur fünf Gehminuten vom Strand entfernt, und das Zentrum lag kaum weiter. So fand ich schnell den entspannten Rhythmus des Dorfes. Nur die Mittagshitze bremste mich aus, denn die Temperaturen näherten sich regelmäßig 40 °C. Schon bald gehörten frühe Morgenstunden, Schwimmen im Meer, kaltes Corona und Siestas am Nachmittag zu meinem Alltag.

Fotos: Issy Croker

Als die Sonne im Osten langsam über die Berge stieg, tauchte das erste Tageslicht alles in jenes sanfte Licht, das ich von so weit her angereist war, um es einzufangen. Surfer:innen wateten ins klare Wasser und paddelten mühelos hinaus zum Line-up, um die ruhigen Bedingungen zu nutzen, bevor der Tag richtig begann. In eine Richtung schien sich der Strand endlos zu erstrecken, in der anderen ging er in eine felsige Halbinsel mit glatten Felsbrocken über, die über Jahre hinweg von der Brandung des Pazifiks geformt worden waren. Hier, wo sich der Point um die Landzunge zog, begann die berühmte Welle von La Saladita ihren langen Weg zum Ufer.

In eine Richtung schien sich der Strand endlos zu erstrecken, in der anderen ging er in eine felsige Halbinsel mit glatten Felsbrocken über, die über Jahre hinweg von der Brandung des Pazifiks geformt worden waren

Foto: Issy Croker

Fotos: Issy Croker

Mit meiner Kamera, sicher im wasserdichten Gehäuse, zog ich meine Flossen an und schwamm hinaus. Das Wasser war so klar, dass die Surfer:innen bei jedem Ritt über dem Ozean zu schweben schienen. Den einheimischen Surfer:innen dabei zuzusehen, wie sie scheinbar mühelos über die Welle glitten, war genauso faszinierend wie sie zu fotografieren. Hinter der Brandung rahmten die vulkanischen Berge die Küste ein. Ihr sattes Grün hob sich von den kräftigen Blautönen des Pazifiks ab. Ein Bild wurde für mich zum Foto der Reise: ein einzelner Surfer, der vor der Kulisse der Berge über eine Wasserwand glitt.

Während die Morgen dem Surfen gehörten, boten die Abende Gelegenheit, das Leben vor Ort über das Essen kennenzulernen. Sobald die Luft etwas abkühlte, erwachten die wenigen Restaurants in La Saladita zum Leben. Offene Küchen und traditionelle Zubereitung verliehen jeder Mahlzeit etwas Persönliches. Frisch gefangener Fisch bestimmte die Speisekarten: Ceviche, Tacos, Guacamole und herzhafte Suppen. Wie im Dorf selbst wirkte auch hier alles angenehm unaufgeregt. Familien empfingen ihre Gäste mit herzlicher Gastfreundschaft und schufen eine Atmosphäre, die ebenso in Erinnerung blieb wie das Essen.

Foto: Issy Croker

Foto: Issy Croker

Fotos: Issy Croker

Als die Sonne langsam sank, wurde das Licht wieder sanfter. Sonnenstrahlen fielen durch die Palapas am Strand, während Fischer vom Ufer aus ihre Netze auswarfen und die letzten Surfer:innen als Silhouetten über den Horizont glitten. Diese ruhigere Stunde wurde schnell zu meiner liebsten Zeit für Streifzüge mit nichts weiter als einem 50-mm-Objektiv. Ich hielt die kleinen Details fest, die diesem Ort seinen Charakter gaben. Nach Motiven musste ich nicht suchen – sie schienen sich von selbst zu zeigen.

Wer so nah am Äquator fotografiert, muss lernen, das Licht zu lesen. Die warme, tief stehende Sonne bei Sonnenauf- und -untergang schafft eine Stimmung und Tiefe, die im grellen Licht der Mittagsstunden nur schwer zu finden sind. Mir war es wichtig, die Menschen vor Ort um Erlaubnis zu bitten, bevor ich sie fotografierte, und die kleinen Betriebe zu unterstützen, die das Rückgrat des Dorfes bilden. La Saladita ist bis heute angenehm unaufgeregt geblieben. Jede Mahlzeit, jeder Kaffee und jeder Einkauf unterstützt die Familien, die hier zu Hause sind.

Foto: Issy Croker

Sonnenstrahlen fielen durch die Palapas am Strand, während Fischer vom Ufer aus ihre Netze auswarfen und die letzten Surfer:innen als Silhouetten über den Horizont glitten

Auch abseits der Hauptstraße gab es viel zu entdecken. Mit einem gemieteten Motorrad konnte ich problemlos die benachbarten Dörfer entlang der Küste erkunden, die jeweils eigene Einblicke in den Alltag boten. Gerade diese ruhigeren Momente hielt ich besonders gern fest: spontane Szenen, Begegnungen am Straßenrand und Landschaften, die eine andere Seite dieses Teils Mexikos zeigten. Nur selten ging ich ohne meine Kamera los, denn oft entstanden die Bilder, die mir am stärksten in Erinnerung blieben, genau dann, wenn ich gar nicht danach suchte.

Foto: Issy Croker

Foto: Issy Croker

Ich bin immer wieder nach La Saladita zurückgekehrt, und jedes Mal fahre ich erfüllt und zugleich nur ungern wieder fort. Dieser kleine Küstenabschnitt bietet mir alles, was ich an der Surffotografie liebe, und zugleich so viel mehr als nur die Wellen: Wärme, ein langsameres Tempo und eine stille Schönheit, die man nur schwer vergisst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich wieder hierherziehen wird. Bis dahin bewahre ich die stillen Details in Erinnerung, die La Saladita für mich so besonders machen: das einfache Leben hier, die Freundlichkeit der Menschen und all die Momente, die sich zeigen, wenn man sich die Zeit nimmt, sie wahrzunehmen.

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